Bis zu 80 % der heutigen Erdgasimporte aus Russland könnten theoretisch durch Methan aus Biogasanlagen ersetzt werden. Das geht aus einem Papier des Fachverbands Biogas hervor. Kalkulatorisch könnten Fermentationsanlagen sowie Anlagen, die synthetisches Methan erzeugen, zusammen bis zu 450 TWh an Energie liefern. Allein die Biomassevergärung könnte dazu 234 TWh beitragen, was 42 % der Importe aus Russland entsprechen würde. Von diesem Potenzial sind nach Angaben des Fachverbands derzeit allerdings nur etwa 42 % (ca. 95 TWh) erschlossen. Weitere 216 TWh könnten dagegen Anlagen beisteuern, die Methan aus CO2, das aus Biogasanlagen stammt, und Wasserstoff (H2) aus der Elektrolyse mit Strom aus regenerativen Quellen synthetisieren.
Die Biogasbranche hatte vergangene Woche auch erklärt, sie sei bereit, die von der EU-Kommission im Rahmen ihres REPowerEU-Planes (siehe S. 7) vorgeschlagene Menge von 35 Mrd. Kubikmeter Biogas bis 2030 zu liefern. Dieses Ziel entspräche mehr als 20 % der derzeitigen Gas-Einfuhren der EU aus Russland. Bis 2030 könne dieses Potenzial sogar noch verdreifacht werden und auf weit über 100 Mrd. Kubikmeter anwachsen.
Allerdings bestehen derzeit noch Hindernisse, die einer Ausschöpfung dieses Potenzials im Wege stehen. Zum einen müsste dem Europäischen Biogasverbands (EBA) zufolge das von der EU vorgeschlagene Ziel in die Neufassung der Richtlinie über Erneuerbare Energien (RED III) aufgenommen werden. Für Deutschland, wo die Hälfte der rund 20 000 Biogasanlagen in Europa steht, fordert der Fachverband Biogas drei kurzfristige Maßnahmen zur Hebung des Potenzials: die Abschaffung der Höchstbemessungsleistung, die einer Deckelung der Produktionskapazität entspricht; mehr Flexibilität beim Substrateinsatz; weniger bürokratische Hürden und schnellere Genehmigungen. Mit diesen Schritten sei kurzfristig eine Steigerung der Energieerzeugung aus Biogasanlagen um ein Fünftel möglich. Mittel- bis langfristig hält der Verband eine weitere deutliche Steigerung für möglich. So könnten seinen Angaben zufolge bis zu 115 TWh aus Abfällen, Reststoffen und Nebenprodukten erzeugt werden, bis zu 41 TWh aus Biomasse aus Agrarumweltmaßnahmen, 55 TWh aus konventionellen und alternativen Energiepflanzen sowie 23 TWh aus Aufwuchs von Dauergrünland.
ds