Ein dickes Plus beim Umsatz und ein dickes Plus im Rohergebnis. Wenn man das verkünden kann, dann dürfte man zufrieden sein. Zufriedene Gesichter jedenfalls gab es bei den Verantwortlichen am Dienstagabend vergangener Woche bei der Generalversammlung der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft, zu der der Aufsichtsratsvorsitzende Antonius Coenen etwa 180 Mitglieder und Ehrengäste begrüßen konnte. Die Generalversammlung fand diesmal im südlichen Teil des Einzugsgebiets der Genossenschaft statt – in Mechernich-Obergartzem. Der Dämmerschoppen bot dabei ausreichend Gelegenheit für den Gedankenaustausch zwischen Berufskollegen und den Mitarbeitern der Genossenschaft.
„2021 stand ganz im Zeichen steigender Umsätze und steigender Werte für unsere Produkte, aber auch für unsere Betriebsmittel“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulze-Hagen bei der Vorlage des Jahresabschlusses und des Lage- sowie Geschäftsberichts 2021. Darüber hinaus hätte die Buir-Bliesheimer nach der Übernahme der ehemaligen RWZ-Standorte Aachener Land deren Umsätze erstmalig ganzjährig verbuchen können. Das führte alles in allem nach Aussagen des Vorsitzenden zu einem Gesamtumsatz von rund 155 Mio. €, was einem Plus von 13 % entspricht. „Wir Landwirte haben das insbesondere in der zweiten Jahreshälfte durch erfreulich steigende Preise für unsere Erzeugnisse gespürt. Gleichzeitig waren jedoch auch erste Preissteigerungen für unsere Betriebsmittel, speziell Dünger zu verzeichnen. Im Vergleich zur aktuellen Situation war das allerdings alles noch recht gut zu verkraften“, meinte der Vorsitzende.
Gutes Gesamtpaket
Die Umsatzsteigerung in der Genossenschaft habe trotz einer leicht rückläufigen Umsatzmenge gegenüber dem Vorjahr erreicht werden können. Grund hierfür seien starke Verschiebungen im Bereich der Düngemittel – Ende 2020 habe es große Vorkäufe wegen der Mehrwertsteueranhebung gegeben – und im Bereich der Energie gewesen. Nach zwei Rekordjahren sei es hier 2021 zu leicht rückläufigen Mengen gekommen. „Im Getreidegeschäft konnten wir 2021 erwartungsgemäß die Mengen zwar steigern, durch die allerdings nur durchschnittlichen Ernteergebnisse waren die Möglichkeiten hier eingeschränkt“, sagte der Vorsitzende. Ebenso wie der Umsatz habe auch das Rohergebnis gesteigert werden können, um immerhin 12 %. Dies ergebe eine nahezu unveränderte Handelsmarge je Einheit, „und das bei steigendem Wettbewerbsdruck“, hob Schulze-Hagen hervor und fügte hinzu: „Das zeigt, dass wir als Genossenschaft ein sehr gutes Gesamtpaket nicht nur anbieten, sondern unsere Kunden damit auch erreichen.“ Zu diesem Gesamtpaket gehörten neben einem guten Preis auch gute Produkt- und Vermarktungsstrategien, Vertriebs- und Beratungskonzepte, Warenverfügbarkeit und Lieferfähigkeit und nicht zuletzt natürlich eine hervorragende „Mannschaft“, unterstrich der Vorsitzende und bedankte sich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Buir-Bliesheimer für ihren Einsatz. Durch Corona, das Hochwasser im vergangenen Jahr, personelle Engpässe und das stetige Unternehmenswachstum sei die „Mannschaft“ in besonderer Weise gefordert gewesen.
Im vergangenen Jahr hat die Buir-Bliesheimer vor Steuern ein Ergebnis von 1,4 Mio. € und ein Ergebnis nach Steuern von 983 000 € erzielt. „Ein zufriedenstellendes Ergebnis, mit dem wir zeigen, dass die Vergrößerung des Unternehmens nun auch vollumfänglich in unseren Zahlen Eingang gefunden hat“, hielt hierzu der Vorstandsvorsitzende fest. Die Warenrückvergütung wurde unverändert mit 0,25 % des Umsatzes im Bezugs- und Absatzgeschäft festgelegt. Die Buir-Bliesheimer schüttet damit rund 225 000 € an ihre Mitglieder aus. Die Bilanzsumme der Genossenschaft, also das Gesamtvermögen, erhöhte sich 2021 um immerhin 15,5 Mio. € auf 107 Mio. €. Dabei zeigten sich nach Aussagen des Vorsitzenden bereits in den letzten Monaten des Jahres 2021 die steigenden Preise bei Agrarerzeugnissen und auch bei den Betriebsmitteln.
Geldanlage wird genutzt
Mit nahezu 22 Mio. € ging die Eigenkapitalquote der Genossenschaft auf 20,6 % zurück. „Wenn die Bilanzsumme um rund 15 Mio. steigt, das Eigenkapital aber „nur“ um 1 Mio. €, dann muss die Differenz aus höheren Verbindlichkeiten beziehungsweise Fremdkapital kommen“, erläuterte Schulze-Hagen. Diese Herausforderungen hätte die Genossenschaft sehr gut meistern können, da die Mitglieder weiterhin großen Gebrauch von der Möglichkeit der Geldanlage in Form von Mitgliederdarlehen machten. Per Stichtag 31. Dezember 2021 habe die Gesamtsumme hier bei rund 50 Mio. € gelegen.
„Dies ist ein enormer Vertrauensbeweis gegenüber unserer Genossenschaft“, stellte der Vorsitzende zufrieden fest. Um hier weiterhin attraktiv zu bleiben, hätten Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, ab dem 1. Oktober die Zinsen für die Mitgliederdarlehen spürbar anzuheben, kündigte Schulze-Hagen an.
Und wie sieht es im laufenden Geschäftsjahr aus? „Der Daumen geht eindeutig nach oben“, stellte hierzu der Vorstandssprecher Peter-Josef Gormanns fest. Bis zum August dieses Jahres gäbe es in vielen Bereichen Zahlen, die kaum für möglich gehalten worden seien. Dies gelte für die Preisentwicklung an den Agrarmärkten sowohl auf der Bezugs- wie auf der Absatzseite. Das gelte aber auch für die allgemeine Kostenentwicklung. Das Frühjahrsgeschäft der Buir-Bliesheimer ist laut Aussagen des Vorstandssprechers sehr gut verlaufen mit hohen Umsätzen bei guten Preisen und guten Erträgen, einer hohen Warenverfügbarkeit und Lieferfähigkeit trotz knapper Versorgung. Die Düngemengen hätten deutlich gesteigert werden können, der Pflanzenschutzmittelabsatz habe ein Rekordniveau erreicht.
„Alte“ Probleme bleiben
„Im Herbstgeschäft setzt sich dieser positive Trend weiter fort“, betonte Gormanns. Das Saatgutgeschäft entwickele sich positiv, ebenso das Pflanzenschutzmittel- und das Düngemittelgeschäft. Ein Rekordergebnis habe die Buir-Bliesheimer bei der Getreideerfassung erreicht mit einer Menge von 292 000 t. Das Kartoffelgeschäft in der BBK GmbH entwickele sich ebenfalls positiv, nur der Bereich der Gemüsevermarktung zeige weiterhin Schwierigkeiten. „Für 2022 erwarten wir dementsprechend ein gutes Ergebnis“, kündigte Gormanns an und wies aber auch darauf hin, dass die „alten“ Probleme wie Corona, die Klimakrise oder die negativen Entwicklungen, die derzeit aus der Politik auf die Branche einwirkten, nach wie vor Bestand hätten. „Die Herausforderungen für uns als Genossenschaft werden immer größer, aber wir bereiten uns darauf vor“, so Gormanns.
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