Die Landwirtschaft ist einmal mehr in das Zentrum der innenpolitischen Auseinandersetzung um den Rückgang der Artenvielfalt in Deutschland gerückt. Den Anlass dafür gab der „Bericht zur Lage der Natur“, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze und die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, am Dienstag vergangener Woche in Berlin vorgestellt haben. Vor allem in der Agrarlandschaft gehe es der Natur „besorgniserregend schlecht“, fasste Schulze den Inhalt des Berichts zusammen. Auf vielen Wiesen und Weiden werde so viel gedüngt und so oft gemäht, „dass sie für die Natur immer wertloser werden“.
Trend ungebrochen
Der Deutsche Bauernverband (DBV) reagierte verärgert. Verbandspräsident Joachim Rukwied sprach von „allgemeinen und vor allem eindimensionalen Schuldzuweisungen“, die wichtige Ursachen für den Verlust von Biodiversität ausblendeten. Der Bericht zur Lage der Natur fasst die Ergebnisse der alle sechs Jahre von Bund und Ländern vorzulegenden Berichte zur Erfüllung der europäischen Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie und der EU-Vogelschutzrichtlinie zusammen. Laut BfN-Präsidentin Jessel verzeichnen artenreiche Wiesen und Weiden sowohl in der Fläche als auch in ihrer Artenvielfalt starke Rückgänge. Dieser seit Jahren zu beobachtende Trend setze sich ungebrochen fort.
Mehr Tempo
Inzwischen befinde sich mehr als die Hälfte aller FFH-Grünland-Lebensraumtypen in Deutschland in einem ungünstig-schlechten Erhaltungszustand. Jessel mahnte eine Verbesserung des Grünlandschutzes sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene an. Sie sprach sich dafür aus, dass bestehende Umbruchverbot für Grünland in FFH-Gebieten auf Vogelschutzgebiete sowie weitere sensible Standorte auszuweiten und Verstöße effektiv zu sanktionieren. Als „dramatisch“ wird in dem Bericht der Rückgang der Vogelarten in der Agrarlandschaft wie Rebhuhn und Kiebitz gewertet.
Angesichts dieser Ergebnisse drückt Schulze beim geplanten Insektenschutzgesetz aufs Tempo. Ihr Haus arbeite derzeit „mit Hochdruck“ an einem Referentenentwurf, sagte sie. Termine für eine Kabinettsbefassung und eine Einbringung in den Bundestag nannte sie jedoch nicht. Ihr Ziel sei, dass der Bundestag „noch in diesem Jahr ein Insektenschutzgesetz“ beschließe. Das Vorhaben werde den Charakter eines Artikelgesetzes haben und unterschiedliche Gesetzesänderungen bündeln, so Schulze. AgE