Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben

Das sagt Ministerin Ursula Heinen-Esser

 

Foto: Martina Goyert

Die Corona-Infektionen bei hunderten Beschäftigten von Schlachthöfen in NRW werfen viele Fragen auf. Während die Publikumsmedien versuchen, Parallelen zu den Saisonkräften auf den Feldern zu ziehen, machen sich die Viehhalter ganz andere Sorgen. Wir haben Umwelt- und Agrarministerin Ursula Heinen-Esser dazu befragt.

LZ Rheinland: Was unterscheidet die Situation der oft osteuropäischen Mitarbeiter an hiesigen Schlachthöfen von der der Erntehelfer auf landwirtschaftlichen Betrieben?

U. Heinen-Esser: Die Erntehelferinnen und Erntehelfer leben in der Regel direkt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, so dass eine enge Verbindung zwischen Arbeit und Freizeit besteht. Die Hofbesitzerinnen und Hofbesitzer können die Einhaltung der Hygiene-Regeln stärker überwachen und beeinflussen. Schlachthofmitarbeitende sind in der Regel durch Subunternehmen angestellt und leben außerhalb der Betriebsstätten. Hier haben die Unternehmen weniger direkten Einfluss auf die Lebensbedingungen. Zudem gibt es offenbar bei den Subunternehmen in Teilen die Praxis, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch eine Rotation in verschiedenen Betrieben eingesetzt werden. Dies ist umgehend abzustellen, damit mögliche Ansteckungskreise klein gehalten und geschlossen werden.

LZ Rheinland: Wie lange rechnen Sie, steht der Betrieb in den betroffenen Westfleisch-Betrieben still?

U. Heinen-Esser: Wir rechnen damit, Ende der Woche erste Ergebnisse zu den umfassenden Corona-Tests der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schlachthöfen zu bekommen. Von diesen Ergebnissen hängen die weiteren Schritte ab. Wie mein Ministerkollege Karl-Josef Laumann fordert, müssen die Schlachthöfe jetzt überzeugende Hygiene-Konzepte vorlegen. Über die Wiedereröffnung entscheidet das Gesundheitsministerium.

LZ Rheinland: Was kann die Landesregierung beitragen, Problemen in den Tierhaltungsbetrieben vorzubeugen, die durch die fehlende Abnahme von Schlachttieren entstehen könnten?

U. Heinen-Esser: Nach derzeitigem Stand liegen uns keine Erkenntnisse vor, dass es bereits zu Schlachtengpässen gekommen ist. Ziel muss es sein, dass temporäre Engpässe von anderen Schlachtbetrieben ausgeglichen werden. Ganz grundsätzlich auch losgelöst von der aktuellen Situation ist den Tierhalterinnen und Tierhaltern jedoch aus Vorsorgegründen zu empfehlen, sich auf kurzzeitige Überbrückungs-Perioden einzustellen und Platzreserven vorzuhalten. Hierbei unterstützt die Landesregierung die Betriebe, zum Beispiel auch im Rahmen der gemeinsamen Entwicklung einer nachhaltigen Nutztierhaltungsstrategie. ds