Corona-Ticker

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Medienberichte über Verstöße gegen die Hygiene- und Abstandsregeln auf einigen landwirtschaftlichen Betrieben haben die Spitzen der berufsständischen Verbände auf den Plan gerufen.

Verbandsspitzen fordern auf

Die Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) und des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), Joachim Rukwied, Franz-Josef Holzenkamp und Jürgen Mertz, appellierten eindringlich an die Betriebsleiter, die Vorgaben beim Einsatz von Saisonarbeitern strikt einzuhalten. Davon hänge ab, ob der erzielte Kompromiss zur begrenzten Einreise von Erntehelfern Bestand haben könne.

Unterdessen forderte DRV-Präsident Holzenkamp eine befristete Aussetzung des Kriteriums der Berufsmäßigkeit bei der Ausübung einer kurzfristigen Beschäftigung. Anderenfalls werde die beschlossene Ausweitung der 70-Tage-Regelung auf 115 Tage im Sande verlaufen. Die Bundesminister Julia Klöckner, Horst Seehofer und Peter Altmaier sprachen sich für höhere Zuverdienstgrenzen beim Kurzarbeitergeld aus. Ziel müsse es sein, die Attraktivität einer befristeten Tätigkeit für einheimische Saisonkräfte zu erhalten, erklärten sie im Zusammenhang mit dem Kabinettsbeschluss zur Anhebung des Kurzarbeitergeldes.

Ausbruch bei Müller Fleisch

Das Schlacht- und Zerlegeunternehmen Müller Fleisch im baden-württembergischen Birkenfeld hat weiterhin mit dem Corona-Ausbruch bei seinen Mitarbeitern zu kämpfen. Erstmals war am Gründonnerstag ein rumänischer Beschäftigter eines Subunternehmers positiv auf das Virus getestet worden. In der vergangenen Woche bestätigte das Unternehmen mit mehr als 1 000 Arbeitskräften gegenüber der Presse, dass die Zahl der infizierten Mitarbeiter auf 270 Personen gestiegen sei. Nach Angaben der Regierung in Bukarest sind da­runter rund 200 Rumänen.

Dem Enzkreis zufolge wurden für die Betroffenen mittlerweile drei Quarantänezentren aufgebaut. Am Dienstag vergangener Woche sicherte Müller Fleisch nach Gesprächen mit Landrat Bastian Rosenau und dem Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch zu, sich an den Kosten für die Quarantäneeinrichtungen zu beteiligen. Der Schlachthofbetreiber Vion hat unterdessen seine Produktion in Bad Bramstedt gestoppt, nachdem bei zahlreiche Mitarbeitern eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen wurde.

Grüne Minister warnen

Die grünen Agrar- und Umweltminister der Bundesländer warnen vor einer Verwässerung des europäischen Green Deal. In einem Schreiben an die EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen erteilen die zehn Ressortchefs ausdrücklich Plänen eine Absage, die „From-Farm-to-Fork“-Strategie aufgrund der Corona-Pandemie zu verschieben.

Die Strategie müsse in die Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) einfließen, „damit die dringend notwendige Neuausrichtung auf eine nachhaltigere und widerstandsfähigere Landwirtschaft in Europa nicht für Jahre durch bereits getroffene Festlegungen behindert wird“, heißt es in dem am Mittwoch vergangener Woche veröffentlichten Schreiben. Den Grünen-Politikern zufolge macht die Corona-Pandemie die Schwächen der bisherigen Landwirtschaftspolitik deutlich.