Viehvermarktung: In vielen Ländern der Welt sind Präsenzmärkte für das Lebendvieh ein fester Bestandteil der Vermarktung, so auch in Neuseeland. Im Zuge des Kampfes gegen die Ausbreitung des Coronavirus mussten diese Märkte jedoch schließen. In Neuseeland wird daher auf Onlineauktionen gesetzt. Und das kommt bei den Landwirten offenbar gut an. Wie der General Manager des Marktveranstalters PGG Wrightson, Peter Moore, gegenüber der Presse berichtete, war in den vergangenen Wochen eine starke Zunahme an Teilnehmern zu verzeichnen. Vor der Pandemie waren ihm zufolge rund 950 Personen für virtuelle Auktionen angemeldet, Ende April bereits 2 800.
Hilfen: Auch in der vergangenen Woche haben die Wettbewerbshüter der EU-Kommission eine Reihe von nationalen Unterstützungspaketen für den Agrar-, Fischerei- und Aquakultursektor im Zuge der Corona-Krise genehmigt. So wurde unter anderem ein befristeter Beihilferahmen der italienischen Regierung in Höhe von 30 Mio. € genehmigt, mit der im dortigen Agrar- und Fischereisektor tätige, kleine und mittlere Unternehmen unterstützt werden sollen. Grünes Licht gab Brüssel auch für die Gewährung von Beihilfen, die von der finnischen Regierung beantragt worden waren. Diese Beihilfen dürfen in Form von Direktzuschüssen gewährt werden. Ihr Gesamtvolumen soll rund 30 Mio. € für die Landwirtschaft und 10 Mio. € für den Fischerei- und Aquakultursektor betragen.
Ernährungswirtschaft: Die Corona-Krise macht auch vor der deutschen Ernährungswirtschaft nicht halt. Wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Dienstag vergangener Woche berichtete, ist die Stimmungslage bei den Unternehmen der Branche im April regelrecht eingebrochen. Der monatlich erscheinende ifo-Geschäftsklimaindex musste große Verluste hinnehmen und lag für April bei –26,7 Punkten, nach –1,2 Punkten im März. Mit einem Saldo von –11,3 Punkten fiel die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sogar um 27,7 Punkte schlechter aus als noch im Vormonat und lag erstmals im negativen Bereich.
Verbraucherpreise: In der Preisentwicklung machte sich die Corona-Krise bislang nicht im selben Maß bemerkbar. So legten die Lebensmittelpreise im März gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,2 % zu, die allgemeinen Verbraucherpreise ebenfalls um 0,2 %. Im Vorjahresvergleich fiel der Preisanstieg mit 3,8 % bei den allgemeinen und mit 1,5 % bei den Lebensmittelpreisen ebenfalls noch moderat aus. Bei den Rohstoffpreisen der Ernährungsindus-trie zeigte sich im März 2020 eine gegenläufige Entwicklung. Der HWWI-Rohstoffpreisindex für Nahrungs- und Genussmittel gab im Vergleich zum Vormonat um 3,3 % nach und erreichte 91,7 Punkte. Im Vorjahresvergleich erhöhte sich der Index jedoch um 6,9 %.
Covid-19-Erkrankungen: Der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) lagen vergangene Woche 48 Anträge auf Betriebs- und Haushaltshilfe wegen einer Covid-19-Erkrankung vor. Das bedeutet einen leichten Anstieg im Vergleich zum Stand von Mitte April, als es 40 Anträge waren. Bislang wurde noch kein Antrag negativ beschieden.
Erntehelfer: Der Bund nimmt die Länder beim Umgang mit den ausländischen Saisonarbeitskräften in die Pflicht. Wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nach der Agrarministerkonferenz (AMK) am Freitag vergangener Woche gegenüber Journalisten in Saarbrücken mitteilte, werden ihr die Länder bis Ende Mai Berichte über die jeweilige Situation der Erntehelfer übermitteln. Nicht zuletzt davon werde abhängen, wie man weiter bei der Einreise verfahren könne, sagte Klöckner.
LSV-Träger: Die europäischen landwirtschaftlichen Sozialversicherungssysteme (LSV-Träger) sehen sich in der gegenwärtigen Corona-Krise „gut aufgestellt“. Der alternierende Vorstandsvorsitzende der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und Präsident des Europäischen Netzwerks der landwirtschaftlichen Sozialversicherungssysteme (ENASP), Martin Empl, hob am Mittwoch vergangener Woche hervor, dass man „schnell, angemessen und flexibel auf die neuen Gegebenheiten“ reagiere.
Wiederaufbau: Einen stabilen EU-Agrarhaushalt und eine Beteiligung der Land- und Forstwirtschaft an den Maßnahmen zum Wiederaufbau nach der Corona-Krise hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA), Joachim Rukwied, gefordert. Vor dem Hintergrund einer neuen Vorlage für einen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) von 2021 bis 2027 mahnte der Bauernpräsident am Donnerstag vergangener Woche gegenüber Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen an, das Agrarbudget zügig zu verabschieden: „Außergewöhnliche Umstände brauchen außergewöhnliche Maßnahmen.“
Kartoffelberg: Aufgrund des fehlenden Außer-Haus-Verbrauchs ist die Vermarktung von Verarbeitungskartoffeln für die Herstellung von Pommes frites stark ins Stocken geraten. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, berichtete am Montag vergangener Woche in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“, dass die Bauern auf einem Berg von mindestens 350 000 t Kartoffeln säßen. Er forderte dringend Stützungsmaßnahmen in Form von Liquiditätsdarlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank, die mit einem Tilgungszuschuss aus Bundesmitteln versehen werden sollten. Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) wies vergangene Woche ebenfalls auf die besorgniserregende Lage hin und bat die Politik um finanzielle Hilfen, insbesondere für die Landwirte.
Anbaufläche: Die Organisation Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG) hofft angesichts der derzeit niedrigen Preise für Verarbeitungskartoffeln, dass die Landwirte die Anbaufläche für die kommende Ernte deutlich eingeschränkt haben. Wie die NEPG am Mittwoch vergangener Woche in Dronten erklärte, wäre zur Abfederung des Preisdrucks eine Einschränkung des Kartoffelareals in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien wünschenswert, und zwar gegenüber dem Vorjahr um 5 % auf 583 250 ha. Jedoch geht die NEPG davon aus, dass sich ihre Hoffnung wahrscheinlich nicht erfüllen wird, weil die Kartoffelfelder bereits gepachtet und die Saatkartoffeln schon geliefert worden seien. Die Auspflanzungen hätten bereits Ende März begonnen, sodass es für Flächeneinschränkungen nun meist zu spät sei. Unterdessen sei in den fünf nordwesteuropäischen Kartoffelerzeugerländern ein Überschuss von mehr als 2 Mio. t Verarbeitungskartoffeln aufgelaufen, berichtete die Organisation. Dieses Volumen könne wohl nicht mehr verarbeitet werden und müsse über den Futtertrog sowie in der Erzeugung von Biogas und -ethanol verwertet werden. AgE