Hiesige Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft verlieren beim Außenhandel gegenüber Wettbewerbern an Boden
Beim deutschen Außenhandel mit Produkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft zeichnet sich für 2024 ein Rekorddefizit von über 21 Mrd. € ab. Das hat die German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) am Mittwoch vergangener Woche mitgeteilt. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2024 standen deutschen Einfuhren in Höhe von 98,5 Mrd. € Ausfuhren im Wert von nur 81,1 Mrd. € gegenüber. Damit ist laut GEFA klar, dass sich der langjährige Negativtrend im Agraraußenhandel auch 2024 fortgesetzt hat.
Laut einer ersten GEFA-Hochrechnung für das Gesamtjahr 2024 exportierte die deutsche Agrar- und Ernährungsbranche Erzeugnisse im Wert von 97,5 Mrd. €, 1,7 % mehr als im Jahr davor. Hiesige Unternehmen verlieren damit aber gegenüber wichtigen Wettbewerbern an Boden, was das Auslandsgeschäft angeht. Das zeigt laut GEFA auch die Entwicklung der Exportperformance seit dem Vor-Corona-Jahr 2019, bei der die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft deutlich hinter dem Welt- und EU-Durchschnitt zurückbleibt. „Das kann nicht unser Anspruch sein“, stellt GEFA-Sprecher Hartmut Kretschmer deshalb klar. Ein weiteres Zurückfallen dürfe man auch mit Blick auf den Beitrag Deutschlands zur Ernährungssicherheit in der Welt nicht zulassen. Notwendig ist deshalb aus Sicht von Kretschmer eine „neue Herangehensweise“.
Der GEFA zufolge verdient die Agrar- und Ernährungsbranche inzwischen jeden dritten Euro im Export. Jan-Bernd Stärk, Leiter Export EU-Ost/Drittland bei der GEFA, kritisiert, dass der Standort Deutschland unter zu viel Bürokratie, hohen Energiekosten und politischer Unsicherheit leidet. Hinzu komme eine im Vergleich zu anderen Ländern schwache Exportförderpolitik. Stärk forderte deshalb in dem Pressegespräch eine inte- grierte Strategie, die die Öffnung und den Erhalt von Absatzmärkten mit der Exportförderung verbindet und, wo erforderlich, auch politisch untermauert, beispielsweise durch die Einsetzung eines Export-Verantwortlichen auf Staatssekretärsebene.
Bei den Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs bleibt Deutschland laut den von der GEFA für 2023 vorgelegten Zahlen mengenmäßig ein Nettoexporteur – der Handelsüberschuss liegt hier bei 0,9 Mio. t. Für den Zeitraum Januar bis September 2024 stellten Molkereiprodukte die größte Warengruppe, ihr Anteil an den Agrar- und Lebensmittelexporten lag mit 10,6 Mrd. € bei 15 %. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Süßwaren mit 14 % sowie Fleisch und Fleischwaren mit 10 %. Die für den Export wichtigste Ländergruppe waren von Januar bis September 2024 die anderen EU-Länder, auf sie entfielen fast drei Viertel der Exporte im Wert von 53,4 Mrd. €. Auf dem zweiten Platz folgte der Rest Europas. In die Mercosur-Staaten wurden im gleichen Zeitraum lediglich Agrarprodukte und Lebensmittel im Wert von 200 Mio. € exportiert, deutlich weniger als 1 % der Gesamtexporte. AgE