Es sind bewegte Zeiten, die deutsche Landwirte derzeit durchleben. Politische Entscheidungen, Kundgebungen und Schuldzuweisungen – der Ton wird rauer, das gilt auch für die Öffentlichkeitsarbeit. „Es gibt Organisationen, die versuchen, um die Gunst des Verbrauchers zu buhlen“, brachte es Dirk Nienhaus, auch bekannt als „Bocholter Landschwein“, anlässlich der Sitzung des RLV-Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit am Donnerstag vergangener Woche in Bonn auf den Punkt. „Dabei geht es um konkrete, aber auch diffuse Ängste, die sich NGOs und die Politik zunutze machen.“
▶▶Shitstorm, na und?
Mit Shitstorms und Angriffen kennt sich Nienhaus aus. Seit 2016 ist er in den sozialen Netzwerken unterwegs, knapp 23 000 Menschen folgen ihm auf Facebook. Dabei scheut er es nicht, auch Problemthemen anzusprechen, alles andere sei in seinen Augen nicht authentisch. „Wenn man einen Shitstorm haben will, nimmt man ein Ferkel und kastriert es im Internet“, so Nienhaus. Entstanden ist ein Video, das polarisiert, aber auch durch seine Ehrlichkeit überzeugt. „Ich habe viele positive Kommentare zu dem Video bekommen, die gesagt haben: Das ist ja gar nicht so schlimm.“ Mit Kritik könne er leben, da helfe es, das Handy auch einfach mal auszumachen.
Mit seinen Videos hält Nienhaus Verbrauchern die Hand hin und fordert zum Dialog auf. „Dabei gibt es auch Hilfsmittel wie Hashtags“, erklärte er. „So werden wir von Menschen gefunden.“ So sieht man unter seinen Beiträgen beispielsweise #massentierhaltung. Einfach um zu diesem Suchbegriff auch mal andere und echte Bilder zu zeigen. Auch bei Journalistenbesuchen hätte er inzwischen seine Strategie entwickelt, um gut mit kniffligen Themen umzugehen (siehe Kasten). Dass das nicht immer einfach ist, weiß auch DBV-Pressesprecher Axel Finkenwirth. Er berichtete den Landwirten von seiner Arbeit im politischen Berlin. „Es sind bewegende Zeiten in einem harten politischen Umfeld“, so Finkenwirth. Er sieht die große Gefahr darin, dass andere die Landwirtschaft spalten wollen. „Ich sage aber, es geht nur gemeinsam!“ Finkenwirth, der selbst lange Zeit bei der ARD tätig war, beobachtet auch medial ein raueres Klima. „Mittlerweile werden Filmaufnahmen von Tierschutzorganisationen widerstandslos veröffentlicht, das wäre früher nie passiert“, stellte er klar.
▶▶Provokation nimmt zu
Dass Werbung und NGOs von Provokation leben, weiß auch Martin May, Leiter der Kommunikation beim Industrieverband Agrar. „Man muss nicht über jedes Stöckchen springen“, erklärte er. Das gelte beispielsweise auch für den Katjes-Werbespot oder das Fantasybuch Güllealarm. RLV-Pressesprecherin Andrea Hornfischer und die Leiterin der RLV-Öffentlichkeitsarbeit Marilena Kipp gaben den Landwirten wertvolle Tipps mit auf den Weg, wie man mit Diffamierung umgeht, und erläuterten, wie der Verband in solchen Fällen reagiert. „Wir dürfen uns aber auch nicht provozieren lassen“, brachte es Kipp auf den Punkt. Wenn damit gezielt eine erwünschte Reaktion befeuert wird, dürfe man es seinen Kritikern nicht so leicht machen. Die Referenten zeigten deutlich: Es wird schwieriger in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, doch gleichzeitig ist die Landwirtschaft eine starke Branche. Eine Branche, die sich keine Angst machen lässt.