„Das Wir im Blick“

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Wenn Frauen aufeinandertreffen und es fast 3 000 sind, dann hört man das. Und wer beim Deutschen Landfrauentag 2022 in Fulda am Dienstag vergangener Woche dabei war, hat es erlebt oder kann es sich vorstellen. Die Teilnehmerinnen tauschten sich rege aus. Kein Wunder, nach einer so langen Coronapause. Die Stimmung war entsprechend gut und die Besucherinnen des Landfrauentags kamen zudem voll auf ihre Kosten. Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) präsentierte ein tolles Programm mit interessanten Talkrunden, zahlreichen Auszeichnungen von Landfrauen und einer tollen musikalischen Begleitung durch die Gruppe „Lou‘s THE COOL CATS“.

Der dlv hatte dabei den Deutschen Landfrauentag unter das Motto „Das Wir im Blick“ gestellt. „Die Mitgliedschaft in unserem Verband ist sehr viel mehr als Geselligkeit. Wir sind es, die wir uns gemeinsam starkmachen für die Frauen in den ländlichen Räumen, die an der Gestaltung dieser Räume mitarbeiten“, betonte dlv-Präsidentin Petra Bentkämper in ihrer Begrüßungsredet. Mitgliedschaft im dlv bedeute persönliche und demokratische Teilhabe. Insbesondere in Krisenzeiten hätten die Landfrauen das „Wir“ im Blick. In der Coronapandemie hätte man alles unternommen, um in Verbindung zu bleiben. „Vieles wurde trotz der widrigen Umstände möglich gemacht und hat gezeigt, dass wir auch in Krisenzeiten zusammenstehen“, so die dlv-Präsidentin. Großen Dank zollte sie den Landfrauen auch für ihre Hilfsbereitschaft bei der Unterstützung ukrainischer Frauen und Kinder sowie bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. „In Krisenzeiten wird deutlich: Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Stützpfeiler für die Bewältigung unserer Zukunftsaufgaben“, so Bentkämper. „Ehrenamt braucht aber mehr als ab und

zu ein Schulterklopfen.“ Damit Ehrenamt auch in Zukunft leistbar sei, zeitlich und finanziell, müssten die Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Anerkennung in Form von beispielsweise Rentenpunkten sowie die Freistellung für Führungsaufgaben und eine qualifizierte Weiterbildung im Ehrenamt seien Stellschrauben, die man fördern müsse, forderte die Präsidentin.

Boris Rhein, der hessische Ministerpräsident, zollte den Landfrauen in seinem Grußwort ein großes Lob: „Die Landfrauen tragen „Land“ nicht nur im Namen, sondern auch im Herzen. Sie schaffen Orte, an denen Heimat gefühlt und Gemeinschaft erlebt werden kann. Sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben, sprechen Klartext und packen mit an, ohne zu zögern.“ Die Landfrauen seien das „Sprachrohr“ von Frauen und ihren Familien im ländlichen Raum und brächten deren Interessen mit Nachdruck in die Öffentlichkeit, sagte Rhein. Dr. Heiko Wingenfeld als gastgebender Oberbürgermeister von Fulda zeigte sich beeindruckt, wie zielgerichtet Landfrauen auf neue Herausforderungen reagieren. Er lobte dabei besonders digitale Projekte, die die Landfrauen während der Pandemiezeit auf die Beine gestellt haben. „Landfrauen reden nicht, sie machen einfach“, hielt der Oberbürgermeister fest. Bundesfrauenministerin Lisa Paus wartete in ihrer Videobotschaft ebenfalls mit viel Lob für die Landfrauenarbeit auf. „Mit Ihrem Verband fördern Sie Frauen. Sie bereiten den Boden für Veränderungen, Sie formulieren handfeste Forderungen und Sie geben Frauen eine starke Stimme. Sie sind eine Macht!“

Mehr in LZ 28-2022 an S. 52