DBV sieht Diskussionspapier als Affront

Foto: imago/Martin Wagner

Die Diskussionsgrundlage des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) für ein „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“ sorgt beim Deutschen Bauernverband (DBV) für große Verärgerung. In seiner Stellungnahme zu dem Papier spricht der DBV von einem „Affront gegenüber der Landwirtschaft“. Dieses Programm würde nach Einschätzung des Bauernverbandes zum Ende des Anbaus mancher Kulturen führen und damit zur Verlagerung der Produktion ins Ausland. Außerdem stehe der Vorschlag im eklatanten Widerspruch zu den Zusagen der Bundesregierung sowie der EU-Kommission, die Landwirte zu entlasten und zusätzliche Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, monierte Bauernpräsident Jo-achim Rukwied.

 

Für Verärgerung im Berufsstand sorgt vor allem der Passus „Ziel ist es, – in Anlehnung an die Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission – bis 2030 die Verwendung und das Risiko von chemischen Pflanzenschutzmitteln um 50 % zu verringern.“ Das Ministerium spricht in dem Papier von einem Dreiklang an Maßnahmen: Erstens soll der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln auf allen Flächen ambitioniert reduziert, zweitens Rückzugsräume für die Biodiversität in der Agrarlandschaft geschaffen und drittens der Biodiversitätsschutz in Schutzgebieten wirksam ausgestaltet werden. Das BMEL lässt damit laut DBV außer Acht, dass auf EU-Ebene die Verhandlungen zum Kommissionsentwurf einer neuen Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) gescheitert sind. Insofern fehle jegliche Grundlage für eine nationale Aktivität im Bereich Pflanzenschutz, so der DBV, der sich strikt gegen einen nationalen Alleingang ausspricht. Beklagt wird vom Bauernverband ferner, dass die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) in dem Ideenpapier des BMEL nicht berücksichtigt werden.

 

Vollkommen unverständlich ist aus Sicht des DBV das Ignorieren technischer Entwicklungen. Eine investive Technikförderung und eine Anwendungsförderung wären der einzig vernünftige Vorschlag eines ernst gemeinten Reduktionsprogramms, betont der Bauernverband. Das fast vollständige Fehlen von Bezügen zu technischen Lösungen – mit einer Ausnahme zum Thema Digitalisierung – im gesamten Reduktionsprogramm deute auf ein fundamentales Misstrauen gegenüber umweltfreundlichen Techniken hin. Die Reduktionspotenziale teilflächenspezifischer und sensorgestützter Ausbringungstechniken sowie weitere moderne technische Lösungen ungenutzt zu lassen, sei fahrlässig und ideologisch.