Über 300 Menschen haben nach Angaben der Organisation Freie Bauern am Sonntag in Aachen-Nütheim auf dem Hof der Familie Giesen gegen die amtlich angeordnete Tötung von Rindern in diesem und in einem weiteren Betrieb demonstriert. Die Tötungsanordnung war vom Veterinäramt der Städteregion Aachen ausgesprochen worden, nachdem in den Herden das Rinderherpes-virus BHV1 festgestellt worden war. Gegen diese Anordnung hatte eine der betroffenen Familien bereits im November per Eilantrag Widerspruch beim Verwaltungsgericht Aachen eingelegt. Dieser wurde abgelehnt. Nun muss sich das Oberverwaltungsgericht in Münster damit befassen. Einer Pressemitteilung der Demo-Veranstalter zufolge ist bis zur „gerichtlichen Entscheidung die Massentötung ausgesetzt worden“. In einem Fall hat das Oberverwaltungsgericht die Tötungsanordnung jedoch bestätigt. Auch der Petitionsauschuss des Landtages ist zu dem Schluss gekommen, dass dem Anliegen der Tierhalter, die Schlachtung auszusetzen, nicht entsprochen werden könne. Dass die Demonstranten den Stall nur von außen einsehen, begründet Anja Giesen damit, man wolle „keinen Anlass für Schikanen des Veterinäramtes“ geben.
Die LZ meint: Dass die betroffene Familie für den Fortbestand ihrer Herde alle Hebel in Bewegung setzt, ist verständlich. Allerdings ist auch in diesem Fall bislang nicht zweifelsfrei geklärt, wie das Virus in den Bestand gekommen ist. Gerade weil in der Region Aachen in den letzten Jahren immer wieder neue Fälle von Rinderherpes diagnostiziert wurden, ohne dass die Übertragungswege eindeutig geklärt werden konnten, sollte der Seuchenvorbeuge einschließlich des unkontrollierten Publikumsverkehrs größtes Augenmerk gelten. Demonstrationen auf betroffenen Betrieben dürften jedoch die Wahrscheinlichkeit erneuter, ungeklärter Übertragungen erhöhen. ds