Was den Wald anbelangt, so ist die Lage nach wie vor ernst. „Wenn wir auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicken, dann wurden die privaten Waldbesitzer sowie die Forstbetriebsgemeinschaften hart getroffen“, betonte Friedhelm Weiss, Vorsitzender der Bezirksgruppe Bonn-Rhein-Sieg des Waldbauernverbandes NRW, am Donnerstag vergangener Woche bei der Sitzung der Bezirksgruppe in Königswinter. Als Gründe führt er die neuen Auflagen der Entgeltordnung, die höheren geschäftlichen Belastungen der Forstbetriebsgemeinschaften, die hohen Kalamitätsschäden durch lange Trockenheit und den massiven Borkenkäferbefall an. Viele Waldbesitzer stellten sich die Frage, wie es weitergehen soll und ob sie überhaupt noch weitermachen sollen. „Aber man sollte auch an die nächsten Generationen denken, denn die benötigen auch weiterhin Holz“, zeigte sich der Vorsitzende überzeugt.
Politisch Gehör finden
Einen Überblick über die Arbeit der Bezirksgruppe der letzten zwei Jahre gab Maximilian Graf von Nesselrode, der dritte Vorsitzende der Bezirksgruppe. Im Vordergrund habe die Informationsarbeit für die Mitglieder gestanden. Außerdem habe man ein Wiederbewaldungsseminar durchgeführt. Und die Bezirksgruppe hat sich die Akquise von Mitgliedern auf die Fahnen geschrieben. „Wichtig ist, dass wir eine starke Mitgliedervertretung sind, damit wir auch politisch Gehör finden“, so Graf von Nesselrode. Wie er weiter erläuterte, wurde im Rhein-Sieg-Kreis ein runder Tisch Land- und Forstwirtschaft gegründet. Dieser biete eine gute Möglichkeit, örtliche Themen im konstruktiven Dialog auf Kreisebene zu besprechen und interessengerechte Lösungen für die Waldbauern zu erzielen. Darüber hinaus möchte die Bezirksgruppe im Herbst ein Praxisseminar zum Thema „Politik und Wald – Gespräch mit den Landtagsabgeordneten“ durchführen.
Dass die Anpassung der Wälder an den Klimawandel nötig ist, steht außer Frage. Die Waldbauern bekommen schon jetzt den Klimawandel deutlich zu spüren und dabei sind Extremereignisse von besonderer Bedeutung. „Der Wald-erhalt wird in jedem Fall künftig schwieriger“, betonte Dr. Ralf Petercord aus dem Düsseldorfer Landwirtschaftsministerium in seinem Vortrag „Waldbau im Klimawandel“. Seiner Auffassung nach müssen sich die Forstbetriebsgemeinschaften in NRW professionalisieren. „Kleine Forstbetriebsgemeinschaften mit wenigen Hundert Hektar sind nicht zukunftsfähig. Suchen Sie sich Nachbarn, mit denen Sie sich zusammenschließen“, lautete der Appell des Ministeriumsvertreters.
Fördergelder unbedingt abrufen
Und wie sollten die Waldbauern auf den Klimawandel reagieren? „Die Lösung ist ein strukturierter anpassungsfähiger Mischbestand“, so Petercord. Das sogenannte Vier-Baumarten-Prinzip sei dabei bei der Wiederbewaldung kein Zwang, aber ein guter Anhalt. Letztlich sei jedoch die örtliche Situation entscheidend. „Und es gibt keine Wunderbaumart“, stellte der Forstwissenschaftler fest. Er appellierte außerdem an die Waldbauern, die Naturverjüngung zu nutzen, auch bei der Fichte. Ihr Augenmerk sollten die Waldbauern auch auf die Qualität der Pflanzen und die Qualität der Pflanzung werfen. Grundsätzlich komme dem Rohstoff Holz und der Holznutzung in Sachen Klimaschutz eine enorme Bedeutung zu. „Die Holznutzung ist der beste Weg, um CO2 zu reduzieren“, erläuterte Petercord.
Ausdrücklich forderte er die Waldbauern auf, die zur Verfügung gestellten Mittel zur Förderung der Wiederbewaldung zu nutzen. „Rufen Sie die Gelder unbedingt ab!“ Das Thema Förderung sorgte bei den Waldbauern für große Diskussionen. Das Abrufen der Fördermittel sei mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden und dies stelle insbesondere kleine und ältere Waldbauern vor große Herausforderungen, hieß es hierzu im Rahmen der Versammlung. Daher sei eine zusätzliche staatliche Unterstützung erforderlich. Anderenfalls würden viele ihren Wald einfach liegen lassen oder sich sogar davon trennen. „Geben Sie Ihren Wald nicht auf“, bat Petercord die Waldbauern und fügte hinzu: „Ich bin überzeugt, der Wald wird zukünftig wertvoll sein!“
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