Die rheinischen Bauern sind auf 180. Die Auflagenflut erschlägt die Bauern nicht nur, sie kostet sie ihre Existenz. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) hat in seiner Vorstandssitzung am Montag dieser Woche nicht nur eine Resolution dazu verabschiedet (siehe Kasten), sondern auch zu einer Protestaktion am kommenden Montag (14. Oktober) aufgerufen. Motto der Kundgebung soll sein: „Es ist fünf vor Zwölf! Es muss endlich Schluss sein mit dem maßlosen Aktionismus gegen die Landwirtschaft!“. Dementsprechend startet die Demo um diese Uhrzeit vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn. „Wir hoffen, dass sich viele an der Protestaktion beteiligen, um ihr eine große Durchschlagskraft zu verleihen“, betonte RLV-Präsident Bernhard Conzen.
Die Stimmung ist aufgeheizt. „Wenn es um das Thema Landwirtschaft geht, wird der Ton immer rauer. Nicht nur im Internet und den diversen sozialen Medien, nein, auch in öffentlichen Veranstaltungen und Gesprächen mit Berufskollegen. Oft habe ich den Eindruck, für Teile der Gesellschaft sind Massentierhaltung, Insektensterben und Grundwasserqualität die einzigen Übel, an denen unsere Welt krankt“, kritisierte RLV-Präsident Conzen. Die Landwirtschaft werde zum Sündenbock für die Klimaveränderungen gemacht. „Leider werden die Fakten einfach beiseitegeschoben“, so Conzen. Etwa die Tatsache, dass die Landwirtschaft in Deutschland lediglich 7 % zu den Treibhausgasemissionen beitrage, oder dass der Bauernverband schon vor zwei Jahren eine eigene Klimastrategie mit ehrgeizigen, aber realistischen Zielen auf den Weg gebracht habe.
Die Landwirte stellten sich die Frage, wie sie sich der gesellschaftlichen Kritik stellen und ob sie diese ohne Gegenwehr ergehen lassen müssen. „Ist nicht die Zeit gekommen, in der wir ein deutliches Zeichen in die Gesellschaft, in diese gesellschaftlichen Gruppierungen senden? Ein Zeichen, das sagt: Stopp! So nicht!“, hob Conzen hervor und forderte seine Berufskollegen auf, am Montag zahlreich zu demonstrieren und der Verärgerung Ausdruck zu verleihen. ah
Resolution des RLV-Vorstandes
Zukunft ohne Bauern?
Der Vorstand des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) hat am Montag dieser Woche folgende Resolution verabschiedet:
„Wir Bäuerinnen und Bauern werden zunehmend zum Gegenstand öffentlicher Kritik. Ob Massentierhaltung oder Insektensterben, ob Grundwasserverschmutzung oder Biodiversitätsverlust, der Hauptschuldige ist ausgemacht. Und zwar für alles, was beim Klima, in der Umwelt oder der Natur falsch läuft. Wir haben uns längst auf dem Weg gemacht, zu verbessern, was in der Landwirtschaft noch nicht gut genug ist. Unsere Anstrengungen werden von den politischen Entscheidungsträgern abgetan ohne Abwägung des Leistbaren. Gleichzeitig werden radikale Forderungen weitgehend kritiklos und abseits einer faktenbasierten Bewertung zur Grundlage politischen Handelns gemacht.
Steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Nahrungsmittel und unfaire Handelspolitik sind Treiber für den sich derzeit verschärfenden Strukturwandel.
Dies wirft Fragen auf:
- Will die Gesellschaft eine von bäuerlichen Familienbetrieben geprägte Landwirtschaft?
- Will die Gesellschaft eine sichere, qualitativ hochwertige und klimafreundliche Versorgung aus der Region?
- Will die Gesellschaft lebendige ländliche Räume in gepflegten Kulturlandschaften?
Wir sind der Überzeugung: Ja Sie will!
Dann bedarf es politischer Entscheidungen, die genau diese Form der Landwirtschaft stärkt. Es bedarf einer Politik, die den Bauern Respekt davor zollt, dass diese 365 Tage im Jahr auf den Feldern und in den Ställen alles daransetzen, Nahrungsmittel und erneuerbare Energien im Gleichklang mit Natur und Klima zu erzeugen. Es bedarf einer Politik, die verlässliche Rahmenbedingungen auf fachlicher Grundlage schafft und eine langfristige wirtschaftliche Perspektive bietet. Demgegenüber sind überbordende Auflagen, unfairer Wettbewerb beim Umwelt- und Klimaschutz sowie bei den Sozialstandards das Gegenteil einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik. Sie gefährden die Existenz unsere bäuerlichen Familienbetriebe. Daher braucht es dringend eine Kurskorrektur der aktuellen politischen Entscheidungen und eine Rückbesinnung auf Rahmenbedingungen, die den Gleichklang der Nachhaltigkeitsziele anstrebt.
Wir appellieren an alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft und rufen zum konstruktiven Dialog auf:
Geben Sie endlich ehrliche Antworten auf unsere Fragen. Geben Sie der bäuerlich geprägten Landwirtschaft eine Perspektive!
Keine Zukunft ohne Bauern!“