Der Schneeflüsterer

Foto: Helene Hoffmann

Bei uns im Rheinland fühlt sich der Januar nicht so recht nach Winter an. Anders bei Thomas Hoffmann. Er verbrachte in den vergangenen vier Jahren mehr als 27 Monate beruflich auf Expeditionen in der Antarktis und Arktis. Hier ging der Ingenieur für Energietechnik und industrielle Elektronik in seiner Freizeit einem ungewöhnlichen Hobby nach: Schneeflocken fangen und konservieren. Wie funktioniert das?

Wann Thomas Hoffmann auf Schneeflockenfang gehen kann, entscheidet er spontan, denn dabei spielen die Wetterbedingungen eine wichtige Rolle. „Es muss schneien, es muss schön schneien und es muss windstill sein“, bringt es der 38-Jährige auf den Punkt. Lebhaft erinnert er sich an einen Mittwintertag in der Antarktis, als alles stimmte. Da war er auf der Neumayer Station III des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Das Thermometer zeigte -15 °C an. Bei Windstille schwebten Schneeflocken sanft und leicht vom Himmel herab. Als der Ingenieur das Naturschauspiel aus dem Bürofenster sah, zog er seine Polarkleidung an und ging mit einem Stück Pappe nach draußen. Es dauerte nicht lang und Schneeflocken ließen sich da­­rauf nieder.

„Dann kam meine Cryo-Plate, die ich selbst gebaut habe, zum Einsatz. Sie ist eine thermoelektrische Kühlplatte mit einer Oberflächentemperatur von circa -35 °C. Ich legte die Pappe mit den fragilen Schneeflocken schnell da­­rauf ab, um ein Anschmelzen zu verhindern“, erklärt er. Im nächsten Schritt betrachtete er die filigranen Gebilde unter einer Juwelierlupe. Mit ruhiger Hand und größter Präzision begann er, die Verbindungen zwischen den einzelnen Eiskristallen, aus denen eine Schneeflocke besteht, mit einem Skalpell zu lösen. „Ich wollte den schönsten Kristall freilegen. Anschließend konservierte ich es mit einer von mir entwickelten Methode in mehreren Schritten für die Ewigkeit.“ Wie das genau funktioniert? „Ich lege den Kristall auf einen Objektträger und trage ein von mir entwickeltes Klebstoffgemisch auf. Nach einer Woche des Aushärtens unter verschiedenen Temperaturen entsteht so ein Originalabdruck, der durch die Lichtbrechung weiß erscheint.“

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