Die Nachhaltigkeitsstrategien der Europäischen Kommission dürften in Deutschland zu kräftigen Ertragsrückgängen bei Weizen, Raps, Zuckerrüben und Hopfen führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle, länderspezifische Folgenabschätzung, in deren Rahmen die Universität Wageningen im Auftrag von mehreren Organisationen, darunter der Pflanzenschutzdachverband CropLife Europe, die Auswirkungen der Farm-to-Fork- und der Biodiversitätsstrategie auf die Produktion ausgewählter Kulturen untersucht hat. Demnach dürften die durchschnittlichen Erträge von Weizen, Raps und Zuckerrüben in der Bundesrepublik um jeweils 15 % zurückgehen, wenn der Pflanzenschutzmitteleinsatz und die Nährstoffverluste um jeweils 50 % verringert würden und auf 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Landschaftselemente angelegt würden.
Im Oktober vergangenen Jahres hatten die niederländischen Wissenschaftler bereits entsprechende Berechnungen für die gesamte Europäische Union vorgelegt, denen zufolge auch deutliche Auswirkungen des Green Deal auf den Handel mit Agrarprodukten zu erwarten sind. Für Weizen wird demnach eine Verringerung des Nettoexports um 67 % auf 11,1 Mio. t prognostiziert. Außerdem dürften sich die Nettoimporte von Raps und Mais um 98 % auf 6 Mio. t beziehungsweise um 208 % auf 15,7 Mio. t erhöhen.
Der Industrieverband Agrar (IVA) in Frankfurt kommentierte die Ergebnisse der Wageninger Forscher mit dem Hinweis, dass Innovationen entscheidend für den Erfolg des Green Deal seien. Laut IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer ist die prognostizierte Produktionsverlagerung gleichbedeutend mit einer Verlagerung der Umwelteffekte wie Biodiversitätsverluste oder Treibhausgasemissionen, aber nicht mit deren Reduktion. „Eine echte Verbesserung kann nur über kluge und angepasste Einsparstrategien sowie durch Innovationen und den Einsatz neuer Technologien erreicht werden“, sagte Gemmer. AgE