Den ostdeutschen Bundesländern droht ein tiefgreifender Strukturbruch in der Landwirtschaft, sollten die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unverändert umgesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von der Grünen-Fraktion im sächsischen Landtag beauftragt worden war. Maßgeblich verantwortlich für die prognostizierten Verwerfungen werden laut Studie die geplante Kappung sowie die Degression. Den ausgewerteten Daten zufolge handelt es sich bei den betroffenen Betrieben zudem überwiegend um Agrargenossenschaften oder nicht-börsennotierte Aktiengesellschaften, die aus ehemaligen LPGs hervorgegangen sind. Die Annahme, von Kappung und Degression würden vor allem unliebsame anonyme Großinvestoren getroffen, sei daher unzutreffend, erklärte Balmann. Einhergehen mit den Wettbewerbsnachteilen würde nach Einschätzung der Autoren eine Umverteilung von EU-Agrarmitteln vom wirtschaftlich schwächeren Osten in die wohlhabenderen und kleinteiliger strukturierten west- und südwestdeutschen Bundesländer.
Auch ohne diese Faktoren schreitet der Strukturwandel in der ostdeutschen Milchwirtschaft schon rasant voran. Die Zahl der Milchviehbetriebe dort könnte sich in den nächsten zehn Jahren mehr als halbieren, prognostiziert Dr. Klaus Siegmund vom Interessenverband Milcherzeuger (IVM). Er geht davon aus, dass von den zuletzt 1 356 ostdeutschen Betrieben, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnehmen, dann möglicherweise nur noch 500 bis 700 übrig sind. Im Jahr 1995 seien in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen noch 4 764 MLP-Betriebe gezählt worden.
AgE