Dialog bleibt wichtig

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Die Atmosphäre war entspannt. Anders kann man es kaum sagen. Nachdem im vergangenen Jahr der traditionelle Empfang des Rhein-Erft-Kreises mit Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft und des Gartenbaus coronabedingt nicht stattfinden konnte, stand er in diesem Jahr wieder an. Landrat Frank Rock hatte die Landwirtschaft und den Gartenbau am Dienstagabend dieser Woche zum gemeinsamen „Dialog“ eingeladen. Er machte dabei keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Dialog wichtig ist: „Und zwar nicht nur, um zukunftsweisende Themen mitei­nan­der in Einklang zu bringen, sondern es wird uns auch immer wieder aufgezeigt, dass die Herausforderungen der heutigen Zeit nur gemeinsam Hand in Hand zu bewältigen sind.“ Das wohl deutlichste Beispiel hierfür sei die diesjährige Flutkatastrophe. Die Bilder der Zerstörung hätten alle noch gut vor Augen. Der Landrat nutzte ebenso wie auch Kreislandwirt und Kreisvorsizender Willy Winkelhag die Gelegenheit, um den Landwirten zu danken. „Viele von Ihnen haben sich in der Region und auch überregional mit einem riesigen Engagement, sei es als helfende Hände oder mit dem Einsatz von Maschinen, bei der Bewältigung der Flutkatastrophe engagiert“, so Rock und fügte hinzu: „Es wird immer viel geredet. Sie machen es einfach. Vielen Dank dafür.“

Der Landrat wies auch auf das gute Mitei­nan­der zwischen der Landwirtschaft und der Kreisverwaltung im Rhein-Erft-Kreis hin. „Ich möchte auch weiterhin daran mitwirken, dass dies so bleibt“, versprach Rock. Auf das gute Mitei­nan­der ging auch Willy Winkelhag in seinem Grußwort ein. „Wir hoffen, dass unsere Landwirtschaft auch zukünftig eine bedeutsame Rolle spielt als regionaler Nahrungsmittelproduzent vor der Haustüre“, betonte Winkelhag und nannte hierzu auch einige Zahlen. Im Rhein-Erft-Kreis wirtschafteten derzeit 520 Betriebe auf rund 42 000 ha und bauten unter anderem Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps, Getreide, Obst und Gemüse an. Zusätzlich gebe es aber neben den vielen Flächen zum Vertragsnaturschutz auch Feldhamsterflächen, viele Blühstreifen und Blühflächen. „Nicht nur Monokulturen, sondern vielfältige Kulturen prägen unsere Landschaft“, unterstrich der Kreislandwirt.

Auch die Landfrauen haben sich in Sachen Flutkatastrophe engagiert. „Landfrauenverbände aus ganz Deutschland sind auf uns zugekommen, haben ihre Hilfe angeboten, unter anderem um Betroffene durch finanzielle Spenden und Sachspenden zu unterstützen“, berichtete Elisabeth Neisse, Vorsitzende der Landfrauen Rhein-Erft-Kreis/Stadt Köln. Bis heute gebe es noch Anfragen von Landfrauen, die helfen möchten. Die Flutkatastrophe habe das Thema Klimawandel wieder verstärkt in den Vordergrund gerückt, so Neisse weiter. Auch die Landfrauen stellten sich diesem Thema. „Der Leitgedanke Nachhaltigkeit ist unser Schwerpunktthema für die Jahre 2021 bis 2023. Mit dieser Nachhaltigkeitskampagne wollen wir erreichen, dass ein Bewusstsein für das Thema geschaffen und sich damit ausei­nan­dergesetzt wird.“

Was durch die neue Agrarreform 2023 auf die Landwirtschaft im Rheinischen Revier zukommt, erläuterte Dr. Thomas Böcker in seinem Vortrag. Der Unternehmensberater an der Landwirtschaftskammer in Düren stellte dabei zunächst die guten Aspekte der Reform he­raus. Hierzu gehöre die erhöhte Junglandwirteprämie. Durch die verpflichtende Brache seien außerdem positive Effekte auf die Biodiversität zu erwarten. Vorteilhaft sei zudem der Wegfall der Zahlungsansprüche. Allerdings bringe die Agrarreform auch eine Reihe negativer Aspekte mit sich. „Durch die deutlich geringere Betriebsprämie kommt es zu einer Einkommensreduktion in den Betrieben und das dürfte den Strukturwandel noch beschleunigen“, befürchtet Böcker. Zudem kämen zukünftig auf die Landwirte stärkere Auflagen und höhere Kosten zu. Die Prämien der Öko-Regeln seien deutlich zu niedrig und dies würde leider auch zur Reduktion des in den vergangenen Jahren angestiegenen Leguminosenanbaus führen. „Vor allen Dingen ist ein Wirrwarr zwischen Erster und Zweiter Säule zu erwarten“, prophezeite der Unternehmensberater.

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