2020 hat der Landwirtschaft viel abverlangt. Auch 2021 stehen einige Herausforderungen an. Wir haben mit Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), gesprochen, welches Resümee er zieht.
LZ | Rheinland: Herr Präsident Conzen, die vergangenen Monate waren gespickt mit Herausforderungen. Was hat den heimischen Landwirten am meisten abverlangt?
B. Conzen: Das ist sicherlich die Corona-Krise. Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir die Bevölkerung verlässlich versorgen können. In weiten Teilen der Gesellschaft ist die Erkenntnis gewachsen: Wir brauchen eine starke Landwirtschaft! Anders als viele andere Wirtschaftsbereiche konnten wir weiterarbeiten. Doch der Zusammenbruch von Lieferketten in den Bereichen Rind- und Schweinefleisch wie bei den Verarbeitungskartoffeln hat die Marktpreise stark nach unten gezogen. Noch ist nicht absehbar, wie es weitergeht. Hier stehen wir vor wirklich großen Herausforderungen.
LZ | Rheinland: Lässt sich aus einer besseren Wertschätzung auch mehr Wertschöpfung ziehen?
B. Conzen: Im politischen Umfeld mehr als auf den Märkten. Nehmen wir als Beispiel die EU: Die Staatschefs auf Brüsseler Ebene haben trotz der Belastungen durch den Brexit einem starken Agrarhaushalt zugestimmt. Dies ist ein Zeichen der Wertschätzung von Politik und Gesellschaft für die heimischen Produzenten. Das trifft im Übrigen auch auf Deutschland zu. Der Agrarhaushalt 2021, also das Budget, das aus Steuermitteln der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird, ist höher als je zuvor. Wir dürfen dies nicht geringschätzen und als selbstverständlich unterstellen. Anders sieht dies im Marktumfeld aus. Hier leiden wir unter den Folgen einer Politik, die Nachfrage-Oligopole mit einer enormen Marktkonzentration zugelassen hat. Wir mahnen dies seit Jahren an. Denken Sie nur an unsere Demonstrationen vor dem Bundeskartellamt und unsere Kampagne „Lebensmittel sind mehr wert!“.
LZ | Rheinland: Erwarten Sie denn, dass die Demos vor den Auslieferungslagern des LEH vor Weihnachten oder das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb daran etwas ändern?
B. Conzen: Ich hoffe ja! Die Aktionen stehen in der Tradition unserer Kampagne. Und das jetzt auf den Weg gebrachte Gesetz wird unsere Position gegenüber dem LEH erstmals substantiell verbessern. Warum sonst hätten sich die Lebensmittelriesen an die Kanzlerin wenden sollen, wenn nicht aus „Panik“ davor, dass die von Bundesministerin Klöckner mutig vorangetriebene nationale Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie ihre unfairen Handelspraktiken durchkreuzen würden – nur getroffene Hunde heulen. Zudem sehe ich das Bundeskartellamt in der Pflicht. Daher habe ich mich an dessen Präsidenten Andreas Mundt gewandt.
Mehr in LZ 52-2020 ab S. 13