Die Landschreiberin – zwischen Buchseiten und Landleben

Foto: privat

Ihre Bücher schreibt Lilian Kaliner umgeben von mehreren Hektar Land. Ende April steht ein besonderer Termin an, denn es erscheinen gleich zwei neue Romane von ihr: der Abschluss ihrer Firefly-Creek-Reihe rund um eine Großfamilie und deren Farm in Australien und der Auftakt ihrer bewegenden Sturmjahre-Saga. Doch ihr hätte auch ein Weg in der Agrarbranche offengestanden. Hier erzählt die Autorin, ob und wie sich ihre Leidenschaft für Bücher und die Arbeit mit Pflanzen mitei­­nan­der kombinieren lassen.

Die Buchbranche hat Lilian Kaliner schon immer fasziniert und so begann sie ihr Berufsleben mit der Ausbildung zur Verlagskauffrau. Im Familienbesitz befanden sich aber auch die Gärtnerei sowie 2 ha Land mit Gewächshäusern, Feldern und einer Scheune in einem kleinen Örtchen in der Nähe von Freiburg. Aufgebaut wurde der Betrieb von ihrem Urgroßvater und lag über mehrere Generationen fest in den Händen der Familie. Geschlossen wurde die Gärtnerei zwar bereits, als Lilian noch klein war, dennoch stellte sich der 38-Jährigen die Frage, wie sie als Einzelkind sowohl das Land der

Familie als auch die Arbeit im Verlagswesen miteinander vereinbaren könne.

Agrar- oder Verlagsbranche?

Bevor ihr das gelang, reiste sie 2007 mit ihrem Mann nach Australien. Der Aufenthalt dort hinterließ Spuren – und Lilian und ihr Mann haben sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nun doch dafür entschieden, das Land der Familie zu behalten und sich dort ihr Zuhause aufzubauen.

Heute ist ein Teil der 2 ha an einen Kräutergärtner verpachtet, den Rest nutzen Lilian und ihre Familie selbst. Sie bauen allerhand verschiedene Kräuter und Gemüsesorten an, von Zucchini und Kartoffeln bis hin zu Artischocken und grünem Spargel. Ein Leben als Selbstversorger plant die Familie nicht, kann im Frühling und Sommer aber zum größten Teil von den eigenen Erzeugnissen leben. Auch eine Obstbaumwiese ist angelegt. Das Farmgelände teilt sich die inzwischen vierköpfige Familie aber nicht nur mit ihrem Hund, sondern auch mit so einigen Hühnern und – ganz aktuell – deren flauschigem Nachwuchs.

Erbe der Generationen

Ein weiterer Nebeneffekt der Australienreise enthüllte sich rund zehn Jahre später – denn da hatte Lilian die Idee, eine Buchreihe auf einer familiengeführten Farm in ebendiesem Land anzusiedeln. Gemeinsamkeiten zwischen der Gärtnerei ihrer Familie und der Bennett-Farm gibt es allerdings nur wenige, die Farm ist um einiges größer als ihr eigener Grund und Boden. Und im Gegensatz zu Lilian selbst ist es in den Büchern so, dass die Söhne schon mit den Hufen scharren, der Vater die Leitung der Farm jedoch nicht aus den Händen geben möchte. Was die Familie der Autorin und die fiktiven Bennetts jedoch teilen: die Verbundenheit von mehreren Generationen, die mitei­­nan­der leben und arbeiten.

Im Zentrum der Firefly-Creek-Bücher stehen das charmante alte Farmhaus, die fünf Söhne und ihre wunderbar abwechslungsreichen und unterhaltsamen Liebesgeschichten. Die Romane lassen sich auch unabhängig vonei­­nan­der lesen, aber das größte Lesevergnügen entsteht, wenn man mit dem ersten Teil (Sehnsucht in deinem Herzen) beginnt und die chaotische Bennett-Familie dort kennenlernt. Frisch erschienen ist das große Finale der Reihe: In meinen Träumen bei dir. Auf die Frage nach einer Lieblingsfigur oder einem Lieblingspärchen verweigert die Autorin allerdings die Auskunft – das sei unmöglich zu beantworten.

Die Frau mit den zwei Namen

Beinahe einer 180°-Wendung gleicht die Arbeit an ihrem aktuellen Projekt: weg von der Gegenwart in Australien arbeitet Lilian nun an einer Reihe, die in Schottland und in den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg spielt. Auch zu dieser Region hat sie einen Bezug, denn Verwandte leben in Großbritannien. Geschichte fasziniert die Autorin sehr und sich bei der Arbeit an diesem Projekt in eine Welt, die sie ohnehin interessiert, einzuarbeiten, macht für sie den Reiz am Planen und Schreiben ihrer Sturmjahre-Bücher aus.

Der Genrewechsel war dennoch eine Herausforderung, die durch die Coronapandemie noch erschwert wurde. Der Flug für die Recherchereise nach Schottland, den Lilian für März 2020 gebucht hatte, wurde gestrichen. Auch der zweite Versuch scheiterte. Anderthalb Jahre nachdem sie mit der Arbeit am ersten Band begonnen hatte und längst in die Geschichte der fiktiven Familie Dennon eingetaucht war, konnten Lilian und ihr Mann in der Rolle des Chauffeurs durch Schottland reisen und die Orte besuchen, die eine Rolle in den Romanen spielen sollen.

Danach wurde das Manuskript kräftig überarbeitet, um die Bücher so authentisch wie möglich zu machen und die Atmosphäre Schottlands bestmöglich einzufangen. Im Auftakt der Sturmjahre-Saga erwartet die Leserinnen und Leser eine stürmische Familiengeschichte über eine Großfamilie, die versucht, ihren Weg zu finden, vom Ersten Weltkrieg bis in die 1920er-Jahre. In jedem Band steht, ähnlich wie bei den Firefly-Creek-Büchern, ein Mitglied der Familie im Mittelpunkt. Und so viel darf Lilian, die diese Reihe unter dem offenen Pseudonym Lia Scott veröffentlicht, vorab verraten: Im dritten Band hat sie sich wieder ihren Wurzeln angenähert und lässt ihre Geschichte auf einem ländlich gelegenen Hof spielen.

Lena Ernsting