Die Sorge steigt

Foto: Marilena Kipp

Corona-Pandemie und ASP setzen den Schweinehaltern zu

Die coronabedingt eingeschränkten Schlacht- und Zerlegekapazitäten in der Fleischwirtschaft bei einem saisonal zunehmenden Schweineangebot haben die Überhänge am deutschen Schweinemarkt weiter wachsen lassen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sprach am Freitag vergangener Woche angesichts der gleichzeitig ausgebrochenen Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen und dem Preisverfall für Ferkel und Schlachtschweine von „der größten Krise der Schweinehaltung seit Jahrzehnten“.

Schweineüberhänge

Die Krisensituation wegen der coronabedingt begrenzten Schlachtkapazitäten und der großen Überhänge am Schweinemarkt in Deutschland hat sich nicht entspannt. Zwar konnten die Schlachtungen bei Weidemark in Sögel nach einem kurzen Corona-Stopp wieder aufgenommen werden, doch nur in sehr begrenzter Stückzahl. „Der Schweinestau wächst und wächst. Immer mehr schweinehaltende Betriebe geraten deshalb in Notlage“, warnte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Dr. Torsten Staack. Nach ISN-Kalkulationen kommen wöchentlich 70 000 bis 90 000 Tiere zum bisherigen Überhang von 400 000 Schlachtschweinen hinzu. Zudem steigen die Schlachtgewichte der Tiere und liegen aktuell bei fast 100 kg.

Mehr Wildschweine infiziert

Die Zahl der an der ASP verendeten Wildschweine in Brandenburg ist zudem weiter gestiegen. Bis zum LZ-Redaktionsschluss hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) insgesamt 71 Virusinfektionen bei aufgefundenem Fallwild bestätigt. Innerhalb einer Woche sind damit 15 Nachweise hinzugekommen. Dem zuständigen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) zufolge liegen alle Fundorte der neuen Kadaver in den bisherigen Kerngebieten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilte mit, dass der Tierschutz auch in den Restriktionsgebieten mit 300 schweinhaltenden Betrieben und etwa 85 000 Tieren gewährleistet sei. Ressortchefin Julia Klöckner habe das erforderliche Verfahren zur Schlachtung von Schweinen bei der EU-Kommission erfolgreich abgeschlossen. Das Ministerium werde zudem Brandenburg beim Bau eines festen Zauns an der Grenze zu Polen unterstützen; Klöckner habe eine Ko-Finanzierung seitens der Europäischen Union erreicht.

Gemeinsames Vorgehen

In einem gemeinsamen Schreiben wenden sich der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV), der Landesjagdverband, das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW sowie der Westfälische Landwirtschaftsverband an Jäger und Landwirte. Sie betonen darin, dass die Bekämpfung der Seuche ein gemeinsames Anliegen ist und man sich an die aktuellen Bestimmungen halten soll. Die Unterzeichner bitten darum, von Jagdreisen abzusehen. Gefordert wird auch eine intensive Bejagung von Schwarzwild. Verdächtige Kadaverfunde können mit einer kostenlosen Tierfund-App dokumentiert werden (www.tierfund-kataster.de).   AgE/mk