Die Suffolk Show ist eine Institution in der südostenglischen Grafschaft Suffolk. Dann wird gezeigt, was die heimische Landwirtschaft zu bieten hat – und das ist so einiges.
„Bereits im Domesday Book aus dem 11. Jahrhundert war die Landwirtschaft in Suffolk prominent und seitdem ist sie führend und leistet einen großen Beitrag zur Ernährung unserer Nation“, sagte Thérèse Coffey, Staatssekretärin für Ernährung und Landwirtschaft, während der letzten Suffolk Show. Die zweitägige Landwirtschaftsschau jedes Jahr Ende Mai am Stadtrand von Ipswich ist ein Höhepunkt im Kalender der Suffolker Bürger, es gibt sie bereits seit fast 200 Jahren. Die Region East Anglia, zu der Suffolk gehört, ist prädestiniert für gute Ackerböden, bekannt als „Brotkorb Englands“ und für den Anbau von Feldfrüchten, wie Zuckerrüben, Wurzelgemüse und Leguminosen.
In Suffolk sind aber auch drei besondere Tierzüchtungen entstanden: Das Suffolk-Punch-Pferd, das Red-Poll-Rind und das Suffolk-Schaf. Und es gibt keinen besseren Ort als die Suffolk Show, um diese Rassen kennenzulernen. „Man spricht auch von der Suffolker Dreifaltigkeit“, lacht Anthea Daw von der Red Poll Cattle Society. Sie ist diesmal als Richterin bei der Red-Poll-Tierschau im Einsatz, die auf einer umzäunten Wiese, dem Bucklesham Ring, stattfindet. Es ist auch der Schauplatz für die Vorführung zahlreicher anderer britischer Rinderrassen, fast 300 Rinder wurden für die diesjährige Show angemeldet. Mit dabei sind seltene Rassen wie British White, Lincoln Red, Sussex oder Dexter, aber auch Hereford und British Simmental.
Doch um halb neun in der Früh heißt es Ring frei für Red Polls. Sie haben ein tiefrotes Fell und sind hornlos (auf Englisch: polled). Die Rasse entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Suffolk aus der Kreuzung zwischen Norfolk Red (gut für Fleisch) und Suffolk Dun (gut für Milch). Das Ergebnis: ein Zweinutzungsrind. Stiere und junge Bullen produzieren gutes Fleisch, „marmoriert und mit ausgezeichnetem Geschmack“, erklärt Daw, die zwischen den Vorführungen mit den Zuschauern rege kommuniziert. Die weiblichen Tiere zeichnen sich durch Leichtkalbigkeit aus, haben sehr gute Muttereigenschaften und einen sanftmütigen Charakter. Weitere Stärken der Rasse: langlebig, widerstandsfähig, gute Futterverwerter, auch auf kargen Flächen, die wenig oder gar kein zusätzliches Futter benötigen. „Ideal für die regenerative Landwirtschaft, extensive Beweidung und Kleinbetriebe“, schwärmt Anthea Daw. Es ist eine Rasse, die in Großbritannien wieder im Kommen ist. Sie gilt inzwischen als nicht mehr gefährdet und „neue Herden werden von Schottland bis Cornwall gegründet“, heißt es auf der Internetseite der Red Poll Cattle Society (redpoll.org). Der Großteil ist in Mutterkuhherden eingesetzt. Die Milch hat mit 4,2 % einen hohen Fettgehalt und eine Kuh kann jährlich bis zu 6 500 kg Milch geben. „Genug für ein Kalb und einen Haushalt“, so Anthea Daw.
Wer die Tierschauen verpasst hat, kann die vielen schönen Rinder später auch in zwei Kuhställen besichtigen, die sich gleich neben dem Ring befinden. Nach der Schau stehen dort die Tierhalter für Interessenten zur Verfügung. Doch die Suffolk Show ist nicht nur für Fachbesucher gedacht, sondern möchte vor allem auch die Öffentlichkeit in Sachen Landwirtschaft aufklären. Der Eintritt ist für Kinder bis 15 Jahre frei und für die jungen Besucher gibt es unzählige Mitmachgelegenheiten, von Streichelzoo, Kochkurs, Traktorfahren bis hin zu Yoga mit Ziegen.
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