Die Zahlen steigen

FAO startet globale Initiative gegen die ASP

Foto: Marilena Kipp

Die Zahl der an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendeten Wildschweine in Brandenburg ist weiter gestiegen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informierte zudem am Samstag vergangener Woche, dass die ASP erstmals auch bei einem Wildschwein in Sachsen nachgewiesen wurde. Das Tier wurde im Rahmen einer Jagd erlegt und hatte keine Krankheitssymptome. Es wurde routinemäßig auf ASP untersucht. Der Fundort liegt in der Nähe der polnischen Grenze in der Oberlausitz, im Landkreis Görlitz. Bis zum LZ-Redaktionsschluss bestätigte das BMEL insgesamt 124 ASP-Fälle im Wildschweinbestand in Deutschland.

Blick nach Polen

In Polen dürfte das laufende Jahr in Bezug auf die ASP neue unschöne Rekorde setzen. Nach Angaben der Obersten Veterinärbehörde wurden bis Ende Oktober landesweit insgesamt rund 3 450 ASP-Fälle bei Wildschweinen verzeichnet, wobei allerdings oft mehrere tote Tiere aufgefunden wurden. Damit sind die Zahlen des gesamten Vorjahres längst weit überschritten. Damals waren rund 2 500 Funde registriert worden, diese zudem auf einer deutlich kleineren Fläche als in diesem Jahr. Laut den behördlichen Informationen wurden zudem bis zum 30. Oktober insgesamt 102 Seuchenfälle in Landwirtschaftsbetrieben mit Schweinehaltung registriert. Dem standen lediglich 48 Ausbrüche im gesamten Jahr 2019 gegenüber.

Ausbreitung stoppen

Unterdessen hat Belgien in puncto Seuchenfreiheit einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht. Das Land beantragte vergangene Woche bei der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Europäischen Kommission, wieder offiziell als „schweinepestfrei“ eingestuft zu werden. Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass seit mindestens zwölf Monaten kein neuer ASP-Fall aufgetaucht ist. Der letzte Fund war in Belgien am 11. August 2019 verzeichnet worden.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat zusammen mit der OIE eine Initiative gestartet, um die globale Ausbreitung der ASP zu stoppen. Wie beide Organisationen mitteilten, wurden vergangene Woche in einer fünftägigen Online-Veranstaltung Regierungsvertreter, Tierärzte, Fachleute und Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammengebracht, um Wissen und Erfahrungen über die Tierseuche auszutauschen und Leitlinien für koordinierte Maßnahmen zu deren Bekämpfung auf den Weg zu bringen. Laut FAO und OIE gibt es keine Anzeichen für eine verlangsamte Ausbreitung der ASP. Die Tierseuche habe allein in Asien zum Verlust von mehr als 7 Millionen Schweinen geführt; derzeit seien mehr als 50 Länder in Afrika, Asien und Europa betroffen. „Unser Ziel ist es, die Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern und sie letztendlich auszurotten und dafür die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, bewährte Verfahren und internationale Standards zu nutzen“, erklärte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu.

Schweinestau auflösen

Angesichts der voller werdenden Schweineställe und sich abzeichnender Tierschutzpro­bleme wegen der coronabedingt eingeschränkten Schlachtkapazitäten hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gewandt und ihn um Unterstützung gebeten. In einem Brief an ihren Kabinettskollegen wies sie da­rauf hin, dass allein aufgrund des beschränkten Betriebes in den Tönnies-Schlachthöfen Rheda-Wiedenbrück und Sögel sowie im Vion-Werk in Emstek wöchentlich rund 120 000 Schlachtungen fehlten und bei Fortbestand dieser Situation bis Weihnachten ein Überhang von 1 Mio. bis 1,3 Mio. Schweinen drohe.

Die einzige Möglichkeit, dieses Problem kurzfristig zu lösen, sei die Schlacht- und Zerlegekapazitäten heraufzufahren, betonte Klöckner. Dafür seien schnelle und flexible Lösungen bei der Arbeitszeit nötig, ohne dabei den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gefährden. Übergangsweise sei eine Ausweitung der Rahmenarbeitszeiten ein möglicher Ansatz, um in kleineren Teams in unterschiedlichen Schichten zu arbeiten, was auch für den Sonntag gelten solle.