Diversität berücksichtigen

Foto: pixabay

Für eine erfolgreiche Umsetzung des Green Deals dürfen nicht die psychologischen Folgen für die betroffenen Landwirte und die vielfältigen Betriebsstrukturen des Agrarsektors außer Acht gelassen werden. Das rät der Wirtschaftspsychologe Carl Vierboom, der mit Unterstützung der Landwirtschaftlichen Rentenbank die wirtschaftspsychologischen Effekte der von der Europäischen Union geplanten Transformation der Landwirtschaft analysiert hat. Wie Vierboom in seiner Studie feststellt, befürchten viele Beteiligte, dass sich dieses Vorhaben zu einer Übermacht aus unrealistischen Anforderungen, hohen Kosten, Verwaltungs- und Kontrolldruck auftürmen wird, die alle bisherigen Aufwände an Tier- und Umweltschutz um Größenordnungen überholt und an der die bisher bekannte, vertraute Welt des Erzeugens und Verarbeitens von Lebensmitteln zu ersticken droht. Was an Informationen über den Green Deal bekannt sei und was darüber in verschiedenen Communities diskutiert werde, scheine also erst einmal nicht geeignet, so etwas wie Zutrauen zu entwickeln. Momentan herrsche deshalb in der Landwirtschaft eine angespannte, auch abwartende, unentschiedene Stimmung: Befürwortung der Klimaziele und ihrer Verpflichtungen auf der einen Seite, Skepsis und Banalisierung auf der anderen Seite; ambitioniert-optimistische Zielformulierungen einerseits und nüchtern-aggressive Ablehnung andererseits. Ein zentrales Problem des Green Deals ist nach Einschätzung des Wirtschaftspsychologen, dass darin ein Programm gefordert wird, das flächendeckend für alle Bereiche der Landwirtschaft gelten soll. Landwirtschaft stelle sich aber wesentlich vielgestaltiger dar, als es auf den ersten Blick den Anschein habe. Wenn der Green Deal Erfolg haben solle, müsse er auf diese Vielgestaltigkeit ausdrücklich Rücksicht nehmen, betont Vierboom.