Eigentlich liegen Blühstreifen in der Regel am Rand von Feldern. Peter und Georg Capellmann vom Broicherhof in Niederkassel-Stockem, beide Mitglieder der Gewässerkooperation Drüber und Drunter, gehen hier jetzt andere Wege. Sie werden vermehrt ihre Blühstreifen in den Flächen „verstecken“. „Wir wollen damit den Insekten und auch dem Niederwild noch mehr Schutz bieten“, erläuterten Vater und Sohn im Rahmen eines Pressegesprächs, zu dem Drüber und Drunter am Mittwoch vergangener Woche nach Köln-Rath eingeladen hatte.
Die Capellmanns haben immer wieder festgestellt, dass die Spaziergänger einfach in die Blühstreifen hineingehen. „Insbesondere zum Pflücken von Sonnenblumen“, so Georg Capellmann. Die Blühstreifen würden so – häufig durch Gedankenlosigkeit – zertrampelt oder gar als Hundeklo missbraucht. „Und die Insekten und das Niederwild werden dadurch gestört. Der Sinn und Zweck eines Blühstreifens, nämlich der Schutz von Insekten und Niederwild, geht damit verloren“, meint Peter Capellmann. In Köln-Rath haben die Capellmanns ihren ersten Blühstreifen „versteckt“. Hier haben sie auf einem 19 ha großen Zuckerrübenfeld in der Mitte einen 0,3 ha großen Blühstreifen gesät. Erst wurden die Zuckerrüben gesät und dann der Blühstreifen. „Wir hoffen, so eine Hemmschwelle für diejenigen aufgebaut zu haben, die nicht durch ein Feld laufen und sich schmutzig machen wollen, nur um einige Blumen zu pflücken“, so Georg Capellmann. Ob es funktioniere, müsse sich zeigen.
Blühstreifen werden im Betrieb Capellmann schon seit 25 Jahren angebaut, vor allen Dingen zum Schutz von Niederwild. Damals sei noch keine Rede vom Insektenschutz gewesen, sagte Peter Capellmann. „Wir wissen um die Wichtigkeit einer intakten Umwelt. Sie ist der Garant dafür, dass wir auch in Zukunft Landwirtschaft betreiben können“, eläuterte Georg Capellmann. „Als Mitglied in der Gewässerkooperation Drüber und Drunter wissen wir auch, wie wichtig funktionierende Naturkreisläufe für die Qualität des Trinkwassers sind. Die deutlichen Erfolge im Boden- und Gewässerschutz zeigen, dass wir in den letzten Jahrzehnten hier vieles richtig gemacht haben“, so Peter Capellmann, der langjährige Vorsitzende des Arbeitskreises Drüber und Drunter.
Die Capellmanns, die auf insgesamt 280 ha Ackerbau betreiben, wollen in Zukunft die Blühstreifenfläche in ihrem Betrieb noch ausdehnen. Derzeit sind es 42 000 m², diese Fläche soll im kommenden Jahr verdreifacht werden. „Und da, wo es möglich ist, möchten wir auch versteckte Blühstreifen anlegen“, betont Georg Capellmann. Damit stehen die beiden Landwirte nicht allein da. Auch andere Drüber-und-Drunter-Landwirte wollen diesen Weg gehen und noch mehr für den Insektenschutz tun. el