Ein Funken Hoffnung

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

5D findet im Lebensmittelhandel immer mehr Anhänger. Die Formel liefert aber nur dann ein vernünftiges Ergebnis für die hiesigen Schweinehalter, wenn alle Variablen berücksichtigt werden.

Nun ziehen auch Aldi Nord und Aldi Süd sowie Lidl nach. Bereits im Sommer hatten der Lebensmitteleinzelhändler Rewe und dessen Discount-Schiene Penny angekündigt, künftig auf 5D zu setzen. Frischfleisch vom Schwein soll in den Läden dieser Filialisten also bald von Tieren stammen, die in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet wurden und deren Fleisch dann auch in Deutschland verarbeitet wurde. Die Ankündigungen fielen bei vielen Schweinehaltern und ihren Interessenvertretungen erwartungsgemäß auf viel Zustimmung. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 5D allein nicht die massive Existenznot beendet, in der sich derzeit viele Schweinebetriebe befinden, allen voran die Sauenhalter.

Damit 5D zum Erfolg wird, reicht es eben nicht aus, dass sich mit den genannten Unternehmen ein Großteil des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) dazu bekennt. Sicher ist es nicht zwingend nötig, dass sich auch noch Edeka als letztes Unternehmen der großen Fünf im LEH einreiht. Damit die 5D-Formel wirklich aufgeht, sind fünf Variablen eindeutig zu bestimmen:

1. 5D braucht eine eindeutige und zuverlässige Kennzeichnung, die gilt, egal wo die Verbraucherinnen und Verbraucher einkaufen. Sie darf auch nicht allein daherkommen, sondern muss im Gleichschritt mit anderen (absehbaren) Auslobungen erfolgen, zum Beispiel von Haltungskriterien. Alles andere würde das Vertrauen der Käuferschaft beschädigen. Weil die Wirtschaft vorprescht, muss die Politik jetzt schnellstens für europakonforme Lösungen sorgen. Ein Flickenteppich an Zeichen mag gut sein fürs Handeln mit Zitronen, hilft aber  nicht den Betrieben, die um ihre Existenz kämpfen.

2. 5D kommt nicht ohne eine passende Begleitung für zukunftswillige Betriebe aus. Zukunftsfähigkeit ergibt sich aber erst daraus, wenn die Betriebe dabei unterstützt werden, die nötigen Investitionen für den Umbau ihrer Ställe tätigen zu können. Das gilt insbesondere für die Sauenhalter, die seit Monaten mit jedem Ferkel finanzielle Polster abgebaut haben und denen nun die Reserven fehlen. Auch hier ist die Politik gefordert, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Denn ohne das erste D – geboren in Deutschland – sind die anderen Ds nichts wert.

3. 5D muss sich im Geldbeutel der Schweinehalter bemerkbar machen, und zwar nicht erst, wenn im ersten Quartal (Lidl), im Sommer (Rewe und Penny) oder im vierten Quartal 2022 die Umstellung im LEH flächendeckend erfolgt ist. Schon zuvor müssen die Betriebe dafür belohnt werden, dass sie mitziehen. Die Belohnung darf dabei keinesfalls so aussehen, dass erst einmal munter Grundpreise für Schlachtschweine gesenkt werden, um dann großmütig einen Aufschlag zu zahlen. Egal ob herkunfts- oder haltungsbezogen, für jedes Kriterium, das den Betrieben zusätzlich abverlangt wird, muss es einen zusätzlichen Bonus geben.

4. 5D darf keine Angelegenheit einiger einzelner Lebensmittelhändler sein und darf nicht bei Frischfleisch stehen bleiben. Auch Verarbeitungsprodukte einzubeziehen, wie es Lidl vorhat, ist nur folgerichtig. Akzeptanz und Glaubwürdigkeit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern werden auf Dauer auch davon abhängen, ob sie 5D nur an der Frischfleisch-theke oder genauso zum Beispiel im Kühlregal oder bei den Dauerkonserven finden.

5. 5D steht stellvertretend für eine nachvollziehbare Herkunft aus einer (Groß-)Region, die Verbraucherinnen und Verbraucher aus (emotionalen) Gründen besonders unterstützen wollen. Wenigstens wenn es um Produkte geht, die aufgrund der natürlichen Gegegebenheiten dort erzeugt werden können, dürfte in ihren Augen der Herkunftsanspruch unteilbar sein. Wenn sich 5D bei Fleisch und Fleischwaren vom Schwein etabliert, erscheint es unlogisch, den gleichen Maßstab nicht auch auf andere Produktgruppen auszudehnen. Dort ein Herkunftsversprechen zu versagen, mindert den Wert des 5D-Versprechens irgendwann.

Bis zu umfänglicheren Herkunftskennzeichnungen quer durch alle Gruppen landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist es aber noch ein langer Weg. Wer sich nicht aufmacht, diesen zu beschreiten, wird allerdings nie ankommen. Insofern ist 5D mehr als ein Funken Hoffnung. Es ist ein Auftrag an die gesamte Lebensmittelkette.