Ein Thema, zwei Positionen

Bei den Grünen treffen gerade zwei Positionen aufeinander: Hier Befürworter einer offeneren Haltung gegenüber Gentechnik, dort eine seit Gründungstagen ablehnende Haltung. Wir haben mit Norwich Rüße und Johannes Kopton Verteter beider Seiten befragt.

Foto: imago images/Panthermedia

Bisher keine nachhaltigen Beiträge

LZ | Rheinland: Eine Reihe von Politikerinnen und Politikern der Grünen haben einen Debattenbeitrag verfasst, der einen anderen Umgang mit der Frage der Gentechnik fordert. Hat sich die Einstellung geändert?

N. Rüße: Der Debattenbeitrag von 22 Grünen-Politiker*innen, in dem zu einem Umdenken der Haltung der Partei bezüglich der neuen Gentechnik aufgerufen wird, ist Ausdruck einer lebendigen Debattenkultur in meiner Partei. Allerdings gibt es auch klare Beschlüsse zum Thema neue Gentechnik, die durch diesen Debattenbeitrag ihre Gültigkeit nicht verlieren. Der Vorstoß wird zudem von keinem einzigen grünen Agrarpolitiker mitgetragen. Aufgrund der besonderen Bedeutung der CRISPR/Cas-Technik für die Landwirtschaft fehlt somit an entscheidender Stelle die Unterstützung.

Breicherung des Werkzeugkoffers

LZ | Rheinland: Eine Reihe von Politikerinnen und Politikern der Grünen haben einen Debattenbeitrag verfasst, der einen anderen Umgang mit der Frage der Gentechnik fordert. Hat sich die Einstellung geändert?

J. Kopton: Die Debatte über grüne Gentechnik wird heute auf jeden Fall anders geführt als noch vor wenigen Jahren. Das liegt zum einen daran, dass sich die Technologie selbst so schnell weiterentwickelt. Die CRISPR/Cas-Methode etwa wurde erst 2012 erfunden. Mittlerweile gehört sie zum Standard in der Pflanzenforschung. Auf der anderen Seite hat sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ein Stück weit geändert. Heute steht nicht mehr im Vordergrund, dass etwas „natürlich“ ist, es geht mehr um messbare Nachhaltigkeitsziele. Das gilt insbesondere für meine Generation, die stark von Bewegungen wie Fridays For Future geprägt ist. So haben zum Beispiel schon drei Landesverbände der Grünen Jugend offenere Positionen zu grüner Gentechnik beschlossen.

Lesen Sie mehr in LZ 25-2020, S. 15-16