Einiges gerade gerückt

Da wurde einiges gerade gerückt in der Ausgabe der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) vom vergangenen Sonntag. Nicht nur dass als Aufmacher ein prachtvoll behorntes Eringer Rind in der Schweizer Bergwelt auf der Titelseite prangte, in gleich drei verschiedenen Ressorts setzte sich die renommierte Wochenzeitung mit Ernährungsthemen ausei­nan­der. Um die Milch und das Ei ging es: Mit gründlichen Hintergrundrecherchen wurde eine Reihe von Behauptungen und Vorwürfen entkräftet und für Klarstellung gesorgt. „Freispruch für das Ei“ war der Vierspalter auf der Titelseite überschrieben, in dem es um neue Erkenntnisse in der Cholesterin-Debatte ging. Leser, die ihre FAS beim Sonntagsfrühstück studierten, konnten gleich ein praktisches Fazit ziehen und das Sonntagsei ohne schlechtes Gewissen genießen. „Für Frühstückseier gilt auch nach der Osterzeit: Es dürfen auch mal zwei sein. Oder sogar mehr“, war in der FAS zu lesen.

Unter der Überschrift „Die Hysterie um die Milch“ setzte sich die Autorin Lucia Schmidt im Ressort „Leben“ mit den Argumenten der Milchgegner ausei­nan­der. Dafür verantwortlich, dass die Milch so in Verruf geraten sei, seien „vor allem die Veganer und zwar diejenigen, die ihre Art der Ernährungs- und Lebensform nicht einfach für sich praktizieren können“. Die Veggie-Brathähnchen aus Soja schätzen, die optisch wie echte Brathähnchen daherkommen, sowie auch Hacksteaks oder Schmalz, Eigelb und Sprühsahne – alles selbstverständlich ohne jede Spur tierischer Produkte. Diese Art der Ernährung habe unbestreitbar „einen schizophrenen Beigeschmack“. Um die Behauptung von Milchgegnern, Milch mache fett und sei verantwortlich für die zunehmende Rate an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, zu entkräften, zieht die Autorin den Bericht des Max Rubner-Instituts „Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen“ aus dem Jahr 2014 he­ran. Beim Thema Milch gehe es schon lange nicht mehr um richtig, falsch oder gar um Wissenschaft. „Die Wahrheit ist nämlich ziemlich banal: Nicht die Milch, sondern die Mischung macht’s. Der menschliche Körper ist für eine ausgewogene Ernährung geschaffen, die ihm alle nötigen Nährstoffe bietet.“

Den Freispruch für das Frühstücksei gibt es im Wissenschafts-Ressort, wo der Autor Michael Brendler den zu Unrecht verteufelten Naturstoff Cholesterin rehabilitiert. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung noch an der begrenzten Tagesdosis von 300 mg festhält, gehört in Amerika seit Jahresbeginn der Cholesterinverzicht nicht mehr zu den offiziellen Ernährungsempfehlungen. Auch die von Herzmedizinern vertretenen Thesen von „gutem HDL und schlechten LDL“ gehören auf den Prüfstand. Wenn es um das Herzinfarktrisiko geht, kommen heute vielmehr das Enzym Lipoproteinlipase und die wichtigsten Nahrungsfette, die Triglyceride, in den Fokus. Und auch hier die Erkenntnis am Schluss des Artikels: Jeder kann seinen Fettspiegel im Blut selbst verbessern und zwar viel stärker durch Änderungen des Lebensstils als durch Verzicht auf Cholesterin. Mehr Sport und weniger Kalorien können den Triglycerid-Wert deutlich senken!