Laut vorläufigen Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende lag der CO2-Ausstoß Deutschlands im Jahr 2023 auf dem Niveau von etwa 1950. Wie die Organisation am Donnerstag vergangener Woche mitteilte, sanken die Kohlenstoffemissionen auf 673 Mio. t CO2, was gegenüber dem Referenzjahr 1990 einen Rückgang um 46 % darstellt. Damit übertraf Deutschland sein selbst gestecktes Jahresziel um etwa 49 Mio. t CO2.
Solarenergie ausgebaut
Uneingeschränkten Grund zur Freude sehen die Energieexperten darin jedoch nicht. So sei ein erheblicher Teil der Einsparungen auf einen krisenbedingt niedrigen Stromverbrauch zurückzuführen. Vor allem energieintensive Industriezweige haben im vergangenen Jahr ihre Produktion zurückgefahren. Laut Agora Energiewende nahm die gesamtwirtschaftliche Leistung 2023 um geschätzte 0,3 % ab, die energieintensive Produktion schrumpfte dagegen um ganze 11 %. Zudem stiegen die Stromimporte aus Nachbarländern, darunter etwa die Hälfte aus erneuerbaren Energien, während die heimische Kohleverstromung auf den niedrigsten Stand seit den 1960er-Jahren fiel.
Nur rund 15 % der Emissionseinsparungen sind laut Agora Energiewende sogenannte langfristige Einsparungen. Diese ergaben sich aus dem Zubau erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerungen und dem Umstieg auf klimafreundlichere Brennstoffe. Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck sieht die Stromerzeugung in Deutschland „auf einem sehr guten Weg“. „Die Kohleverstromung erreicht einen historischen Tiefstand, der Ausbau der Erneuerbaren hat dank der harten Arbeit der letzten zwei Jahre klar angezogen“, erklärte Habeck zu dem Agora-Bericht. Nach Angaben der Bundesnetzagentur belief sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im vergangenen Jahr auf einen Spitzenwert von 55 %. Wegen des massiven Ausbaus der Solarkapazitäten sprachen Branchenvertreter zuletzt von einem „Solarboom“.
Abbau von Schweine- und Rinderbeständen
Auch der Agrarsektor hat seine Klimaziele laut Agora Energiewende deutlich übererfüllt. Mit rund 61 Mio. t CO2 lag die Landwirtschaft deutlich unterhalb der geforderten 67 Mio. t CO2. Ein Grund dafür sei eine veränderte Berechnungsmethode für die Emissionen von Lachgas. Zudem wirkten sich der Abbau von Rinder- und Schweinebeständen sowie eine verringerte Stickstoffdüngung aus.
AgE