Passend zum Weltbodentag bekamen 20 Meckenheimer Gymnasiasten Gelegenheit, auf dem Gelände der Forschungsstation Frankenforst der Universität Bonn ihr Wissen aus dem Erdkundeunterricht anzuwenden und zu vertiefen. „Landwirtschaftliche Strukturen in verschiedenen Klima- und Vegetationszonen“ beschäftigen den Kurs derzeit. „Gerade im Fach Erdkunde, in dem es um den Raum in seinen vielfältigen Erscheinungen geht, sind Exkursionen ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts“, sagte Barbara Suwelack, Lehrerin am Gymnasium. Frankenforst war dafür allerdings zum ersten Mal Ziel.
Auch für Dr. Stefan Pätzold, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Uni Bonn, war es eine neue Erfahrung, das seiner Ansicht nach „tollste Fach“ einer Gruppe Schüler in nur rund 90 Minuten nahezubringen. „Mit den Studenten planen wir normalerweise vier Stunden ein“, erklärte er das intensive Programm. Dennoch gelang es ihm, wesentliche Grundlagen und vor allem die Begeisterung für Bodenkunde zu vermitteln.
Finger schmutzig machen
Dass der Boden für die landwirtschaftliche Produktion eine zentrale Rolle spielt, erfuhren die Kursteilnehmer mit allen Sinnen: Durch Tasten, Sehen und Riechen konnten sie verschiedene Böden auf ihre landwirtschaftliche Eignung beurteilen. „Das ist tatsächlich mit das Erste, was ein Bodenkundler im Feld tut, nicht nur eine Übung, damit Schüler und Studenten sich die Finger schmutzig machen“, schmunzelte Pätzold.
Auf die Frage der Schüler, wie lange es dauert, bis ein Boden entsteht, gab der Experte direkt am offenen Bodenprofil Antwort. Die bodenbildenden Faktoren Stein, Klima, Vegetation, Relief, Bodenlebewesen und der Mensch haben das Gelände hinter den Ställen der Forschungsstation seit dem Ende der letzten Kaltzeit vor rund 12 000 Jahren bis in eine Tiefe von gut 2 m in Boden verwandelt, darunter ist noch das Ursprungsgestein zu finden.
Blick unter die Erdoberfläche
Beim Anblick der Grube mit dem Bodenprofil staunten die Schüler nicht schlecht: „Ich hätte nicht gedacht, dass das Wasser gar nicht so tief in den Boden eindringt, obwohl es ja in den letzten Tagen so viel geregnet hat.“ Den Gastgebern war es darum auch besonders wichtig, die Wasserspeicher- und -filterfunktion des Bodens anzusprechen. „Unsere Böden speichern Niederschläge und tragen damit maßgeblich zum Hochwasserschutz bei. In Trockenperioden speichern sie Wasser und stellen es den Pflanzen zur Verfügung. Außerdem filtern sie das Niederschlagswasser und geben es gereinigt an das Grundwasser weiter“, erklärte Pätzold den Oberstufenschülern.
Im Gespräch mit den Gymnasiasten
vermittelte der Bodenkundler neben wichtigen Kennzahlen und deren Grundlagen auch, warum Böden zwar unscheinbar aussehen, aber von unschätzbarem Nutzen sind. Böden seien sehr vielseitig, darum gebe es kein Patentrezept. Jeden Boden gelte es genau zu untersuchen. „Der Boden ist nicht statisch, wir müssen uns klarmachen, dass wir in einen laufenden Prozess eingreifen“, unterstrich Dr. Stefan Pätzold die Bedeutung einer gut durchdachten Bearbeitung.
Für Diskussionsstoff gesorgt
Durch die Spuren der Trockenheit kam das Gespräch auch auf die Folgen des Klimawandels und den Flächenverbrauch. Hier erhielten die Exkursionsteilnehmer wichtige Impulse, um zu verinnerlichen, wie gravierend sich der Verlust von guten Böden auswirken kann. Statt in Fußballfeldern rechnete Pätzold den täglichen Flächenverbrauch anschaulich in Brötchen um, für die dadurch die Rohstoffe fehlen. ke