Ernährung als Schlüssel

Foto: Hannah Wolff

Eine neue Studie zeigt, dass es in Deutschland theoretisch möglich ist, genügend Nahrung zu erzeugen und gleichzeitig Umweltschutzziele zu verwirklichen. Die von Agrarökonom Dr. Markus Kempen erstellte Studie wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Auftrag gegeben. Voraussetzung für das Mitei­­nan­der von Agrarproduktion und Naturschutz sei, dass die Bundesbürger ihre Ernährungsgewohnheiten ändern. Wenn insgesamt der Fleischkonsum um die Hälfte reduziert würde, gebe es genügend landwirtschaftliche Fläche für Biodiversitätsmaßnahmen und damit für den Schutz von Natur und Klima, so ein Ergebnis der Studie. Der NABU leitet daraus unter anderem die Forderung nach höheren Mehrwertsteuersätzen für tierische Lebensmittel und geringere für Gemüse, Obst oder Hülsenfrüchte ab. Aus Sicht der Umweltorganisation ist auch eine Debatte über Werbeverbote für tierische Erzeugnisse nötig, da „deren Produktion mit hohen Umweltkosten und mangelhaften Haltungsbedingungen einhergeht“.

Im Rahmen der Modellierungsstudie untersuchte Kempen, wie sich eine pflanzenbetontere Ernährung sowie mehr Natur- und Klimaschutz auf den Flächenverbrauch auswirken würden. Hauptergebnis ist, dass eine pflanzenbetonte Ernährung doppelt so flächeneffizient ist wie eine tierische: „Die Erträge von 1 ha pflanzlicher Nahrung ersetzen 2 ha Futter, das später als Fleisch, Milch oder Eier auf dem Teller landet“, stellt der Agrarökonom fest. Die Fläche, die Deutschland im Ausland benötige, würde zum aktuellen Stand in etwa gleich bleiben.

Zwar sinken in den untersuchten Szenarien mit mehr Biodiversitätsmaßnahmen die Erntemengen im Pflanzenbau deutlich, bei Getreide etwa um 30 %. Dafür würden die Menschen nicht mehr so stark mit Nutztieren in eine Konkurrenzsituation treten. Zum einen, weil es weniger Nutztiere gebe und zum anderen, weil davon auszugehen sei, dass die Tiere sich dann hauptsächlich vom Weiden auf dem Grünland, Reststoffen und Leguminosen ernährten, deren Anbauanteil dadurch auch steigen würde. Die Studie entkräfte damit die weitverbreitete Sichtweise, dass entweder mehr Klima- und Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft betrieben oder die Ernährung gesichert werden könnte, betonte der NABU-Referent für Agrarpolitik, Pierre Johannes, bei der Studienvorstellung.

AgE