Erntearbeit in den Great Plains

Foto: Mario Mertens

Den Sommer 2020 haben Tobias Kögler aus Bad Godesberg und Mario Mertens aus Baesweiler nach ihrem Masterstudium Agrarwissenschaften in Bonn auf einer kanadischen Farm im südlichen Alberta für den Zeitraum der Ernte verbracht. Und die beiden haben viel erlebt. Mario Mertens berichtet:

Die Idee, auf einem großen Betrieb in Kanada zu arbeiten, war schnell gefasst, nachdem Tobias in der Universitätsmensa meinte, wenn man dies nicht nach dem Studium macht, dann würde man solch ein Vorhaben wohl gar nicht mehr im Leben angehen. Wir beide hatten davor schon einmal auf Betrieben in Kanada gearbeitet. Tobias 2014 nach der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice auf der Hengerer Farm in Alberta und ich 2016 nach Abschluss des Bachelorstudiums auf einem Ackerbaubetrieb im südlichen Manitoba.

Im Herbst 2019 haben wir uns dann aktiv auf die Suche nach Großbetrieben in Kanada gemacht. Eine Handvoll Betriebe kamen in die engere Auswahl und so entschieden wir uns für die Serfas Farms Ltd. Die Kontaktaufnahme mit diesem Betrieb erfolgte über Facebook.

Großer Familienbetrieb

Die Serfas Farms Ltd. ist ein familiengeführter Großbetrieb, der im Sommer 2020 rund 70 000 Acres (circa 28 000 ha) landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftete. Der Betrieb befindet sich im südlichen Alberta, etwa 30 Minuten nördlich von Lethbridge in Turin. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt dort weniger als 400 mm. Das Gebiet, welches die Ausläufe der Great Plains bildet, ist als semiarid zu kennzeichnen. Der Bodentyp, der in dieser Region vorherrscht, sind Schwarzerden (Chernozem), die eine Mächtigkeit von wenigen Dezimetern bis zu über 1 m aufweisen können. In dieser Region erstreckt sich die Vegetationsperiode von Mitte April bis Ende Oktober. Die Region zeichnet sich durch einen dominierenden Getreide- und Rapsanbau sowie eine hohe Konzentration von Bullenmastanlagen – sogenannte Feedlots – aus und wurde nicht ohne Grund scherzhaft von den Mitarbeitern Feedlot-Alley genannt. Selber mästet der Betrieb rund 6 000 Angusrinder im Homelot.

Angebaut wurden zweizeilige Sommergerste, Sommerraps und Silomais. Die Gerste wird an örtliche Feedlots verkauft sowie für die eigene Mast verwendet. Der Raps wird als Marktfrucht mit einem großen Landhändler gehandelt. Die Gerste rund um Turin wurde im Sommer siliert. Allerdings betreibt der Betrieb keinen Fruchtwechsel, wie es bei uns in Deutschland üblich ist. Rund um das Homelot werden vor allem Mais und Gerste für die Produktion von Silage angebaut. In Sundial, nordöstlich von Turin, auf den leichteren Standorten wird Gerste nach Gerste angebaut. Im Blood Reserve können sich Gerste und Raps auf den Flächen abwechseln.

Der Anbau erfolgt überwiegend in Form von Direktsaat. Lediglich nach Mais und GPS-Gerste wird eine Bodenbearbeitung durchgeführt, die aus einer Überfahrt mit einer 12-m-Scheibenegge besteht. Die Maschinen des Betriebs bestehen überwiegend aus neuwertiger John Deere-Landtechnik. Für die Ernte 2020 standen uns acht John Deere- S780-Rotordrescher zur Verfügung. Die Feldfrüchte wurden mit drei Raupentraktoren im Leistungsbereich von über 500 PS und Überladewagen mit einem Fassungsvermögen von 22 000 Bushel abgefahren. Lkws haben die geerntete Ware dann direkt zu den Kunden oder dem eigenen Getreidelager transportiert.

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