Wegen kranker Zuckerrübenbestände im Südwesten Deutschlands haben Anbauer und Forscher Alarm geschlagen. Die Kulturen seien so stark geschädigt wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr, erklärte der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer unter Verweis auf aktuelle Erhebungen von Forschern im Projekt „Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft“ (NIKIZ). Außerdem breite sich die Pandemie rasch aus. Aktuell seien im Südwesten 43 900 ha Zuckerrüben von Viren befallen. Zudem seien auf etwa 20 000 ha Doppelinfektionen zu erwarten. Problematisch sei das aktuelle Krankheitsgeschehen auch mit Blick auf 2021. Aufgrund des Klimawandels könnten die krankmachenden Schädlinge wie Blattläuse leichter überwintern. Damit würden die Krankheitserreger ins nächste Jahr getragen. Dann sei auf den Flächen eine „Katastrophe“ zu befürchten. Sorgen bereitet den Forschern den Verbandsangaben zufolge auch das klimawandelbedingte rasche Vordringen von Zikaden, die gefährliche Rübenkrankheiten übertragen. Es würden gegen die Rübenkrankheiten und -schädlinge wirksame Pflanzenschutzmittel gebraucht. Sonst seien Bilder wie in Frankreich, wo zehntausende Rübenfelder krank seien, die unvermeidbare Folge. Für Südwestdeutschland gehe es um die Zukunft der Anbauer und Zuckerfabriken, betonte der Verband. Beide stünden durch die Öffnung des Binnenmarktes für Zuckerimporte aus Übersee bereits seit längerem unter wirtschaftlichem Druck. Hinzu kämen teils massive Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU zu Lasten der Branche hierzulande, insbesondere im Hinblick auf Subventionszahlungen und Pflanzenschutzmittelzulassungen.