Es geht um viel

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Der neue Bundesagrarminister Alois Rainer hat sich auf seine Fahnen geschrieben, die Tierhaltung in Deutschland und damit auch die Schweinehaltung zu erhalten. Das hört sich gut an. Aber dafür muss die neue Bundesregierung auch einiges tun und den Schweinehaltern endlich Planungssicherheit bieten.

 

Machen wir uns nichts vor. Die Schweinehaltung ist bei vielen deutschen Landwirten einfach nicht mehr gefragt. Im Gegenteil: Immer mehr Schweinehalter steigen aus der Produktion aus und verabschieden sich von dem Betriebszweig. Die vorläufigen Ergebnisse der Viehzählung aus dem Mai dieses Jahres zeigen es (siehe Meldung auf S. 9). Die Anzahl der Schweinehalter in Deutschland nimmt weiter ab. Innerhalb eines Jahres haben 520 Betriebe, das sind 3,3 % der Schweinehalter, die Sauenhaltung oder die Mastschweinehaltung aufgegeben. Im Zehnjahresvergleich sind das sogar 41 % oder 10 550 Landwirte. Oder anders ausgedrückt: Jeden Tag schließen drei Schweinebauern für immer ihre Ställe. Eine beängstigende Entwicklung.

 

Und wie kommt es dazu? Die Gründe für den Strukturwandel in der Schweinehaltung sind vielfältig. Da sind zum einen die steigenden Kosten, der verstärkte Wettbewerb aus Drittstaaten mit niedrigen Standards und letztendlich auch instabile Preise. Vielen Schweinehaltern dürfte auch das negative Image der Tierhaltung und Vorwürfe wie „Massentierhalter“ oder „Tierquäler“ zu schaffen gemacht haben. Speziell in der Sauenhaltung leisten darüber hinaus das Verbot der betäubungslosen Kastration oder die Pflicht, bis 2029 Kastenstände im Deckzentrum abzuschaffen, der Entwicklung massiv Vorschub.

 

Bereits seit Jahren fordern Gesellschaft und Politik einen Umbau der Tierhaltung hin zu mehr Tierwohl. Diese Botschaft ist bei Schweinehaltern längst angekommen. Und diejenigen, die nach wir vor auf diesen Betriebszweig setzen wollen, sind auch bereit, dies umzusetzen, sprich den Tieren unter anderem mehr Platz und Freilauf zu ermöglichen. Dafür brauchen die Schweinehalter aber Planungssicherheit, dass sich nicht alle paare Jahre die Rahmenbedingungen ändern, dass ihre Betriebe eine Zukunft haben und dass es mit der Schweinehaltung in Deutschland weitergeht. Hier ist insbesondere die Politik gefordert. Der neue Bundesagrarminister hat zwar auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin bekundet, dass er die Tierhaltung in Deutschland erhalten will. Dies sei eine seiner wichtigsten Aufgaben. Aber dieser sollte der Minister auch nachkommen. Ansatzpunkte dafür gibt es genug:

 

Stichwort Bürokratieabbau: Weniger Auflagen und Dokumentationspflichten – das ist ein Versprechen der neuen Bundesregierung an die Landwirtschaft. Aber merken tut die Praxis davon bisher wenig. Vorschläge liegen der neuen Bundesregierung längst vor. Diese sollten nun aber auch tatsächlich schnell umgesetzt werden. Bei der Abschaffung der Stoffstrombilanz ist es gelungen. Bei anderen muss sie noch nacharbeiten. Ein guter Ansatz wäre die Abschaffung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes, das den Bürokratieaufwand nicht verringern, sondern noch verschärfen würde.

 

Stichwort Mindestlohnanhebung: Insbesondere die Sauenhaltung ist sehr personalintensiv und die Betriebe sind hier auf fremde Arbeitskräfte angewiesen. Allerdings würde sich für die Sauenhalter die Zahlung eines vorgesehenen staatlichen Mindestlohns von 14,60 € ab dem Jahr 2027 alles andere als rechnen. Hier muss weiterhin alles darangesetzt werden, dass für die Landwirtschaft eine Ausnahmeregelung getroffen wird.

 

Stichwort Finanzierung: Wer den Umbau der Tierhaltung in Richtung Tierwohl will, kommt an einer Förderung nicht vorbei. Tierwohl ist nun einmal teuer und ob der Markt es honoriert, ist nach wir vor unsicher. In Aussicht gestellt hat die neue Regierung den Tierhaltern 1,5 Mrd. € jährlich, die vornehmlich in die Förderung von Investitionen in Stallbauten fließen sollen, nicht jedoch, um laufende Mehrkosten zu unterstützen. Und die machen den Löwenanteil der Kosten aus. Wichtig ist, dass dieses Geld auch tatsächlich fließt. Aus den Koalitionskreisen wird zwar der sehnlich erwartete Geldsegen von 1,5 Mrd. € in Aussicht gestellt, die Haushaltspolitiker der Union sehen die Milliardenförderung aber auf der Kippe (siehe S. 9). Warum nutzt man hier nicht das Borchert-Konzept? Da steckt viel Vorarbeit für die Politik mit sehr viel Fachexpertise drin.

 

Insgesamt geht es um viel. Es geht um die Zukunft der Schweinehaltung und generell der Nutztierhaltung in Deutschland. Der Abbau der Schweinebestände kann auch den Ackerbauern nicht egal sein. Schließlich geht ein Löwenanteil ihrer Ernte in den Futtertrog. Und man sollte sich über eines im Klaren sein: Nirgendwo wird so auf das Tierwohl geachtet wie in Deutschland. Bei uns fordert man hohe Standards ein, bei Waren aus dem Ausland spielt Tierwohl aber eher eine untergeordnete Rolle. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich möchte weiter Schnitzel und Schinken aus deutschen Landen verzehren. Die deutsche Nutztierhaltung verdient eine Zukunft. Sie ist es wert. In jedem Fall muss es mal vorangehen in Sachen Umbau der Tierhaltung. Insbesondere die Schweinehalter müssen wissen, wo es für sie langgeht.