Alle reden über Bio und alle wollen angeblich Bio. Kein Wunder, dass sich da mancher Landwirt fragt, ob er umstellen soll oder nicht. Die Umstellung muss allerdings gut überlegt sein. Denn auch ökologischer Landbau ist alles andere als ein Selbstläufer.
Bio ist in. Das steht außer Frage. Die Politik schwört auf Bio, denn die Gesellschaft will Biolebensmittel. Die Ausgaben der Deutschen für Biolebensmittel jedenfalls steigen Jahr für Jahr an. Nach Angaben des „Ökobarometers 2019“ kauft jeder Zweite in Deutschland regelmäßig Bioprodukte. Im Jahr 2018 war es mit 28 % erst gut jeder Vierte. Erzeugung und Absatz von Biolebensmitteln nehmen immer weiter zu. Die Zahlen sprechen für sich: Mit knapp 34 000 Biobetrieben ist die Erzeugung an Bioprodukten 2019 im Vergleich zum Vorjahr nochmals um rund 6 % auf insgesamt etwa 12 % aller Betriebe gewachsen. In der Fläche gab es sogar ein Wachstum von 6,7 % auf über 1,6 Mio. ha deutschlandweit. Das entspricht gut 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland.Geht man vom bundesweiten politischen Ziel aus, nämlich 20 % Ökolandbau zu realisieren, ist man hiervon weit entfernt. Insbesondere in NRW ist noch Luft nach oben. In unserem Bundesland sind es rund 2 000 Betriebe, die auf einer Fläche von 86 000 ha ökologisch wirtschaften. Dies entspricht 7 % der NRW-Betriebe insgesamt und 7 % der landwirtschaftlichen Fläche in NRW.
Und manch einer liebäugelt mit der Umstellung (siehe Bericht auf S. 41). Waren es in der Vergangenheit die Milchviehbetriebe, die insbesondere 2015 und 2016 aufgrund der niedrigen Milchpreise auf die ökologische Wirtschaftsweise umstellten, sind es jetzt eher die Acker- und Gemüsebauern. Dabei hat die Umstellung den Milchviehbetrieben in den vergangenen Jahren einen höheren und vor allen Dingen auch einen stabilen Milchpreis beschert. Der kleine Wermutstropfen: Im Moment gibt es keine Molkereien, die neue Biomilchbetriebe aufnehmen würden. Zumindest derzeit nicht. Aber das kann sich ja vielleicht wieder ändern. Der Markt für Biomilchprodukte jedenfalls ist aufnahmebereit.
Wer auf den ökologischen Landbau umstellen will, sollte einiges bedenken:
Unbedingt erforderlich ist ein Marktpartner. Mit diesem sollte man vorher Kontakt aufnehmen und auch besprechen, was und welche Produkte produziert werden sollen.
Auch an einem Umstellungsfahrplan geht kein Weg vorbei.
Die Umstellung erfordert genügend Liquidität und darf nicht als Sanierungsplan gesehen werden, denn die Umstellung braucht Zeit und kostet somit auch Geld.
Wer umstellt, sollte Mitglied in einem NRW-Ökoverband werden, denn die Vermarktung von Verbandsware ist im Gegensatz zu EU-Bioware deutlich leichter. Einfach nur Bio reicht nicht mehr. Der Verbraucher verlangt vermehrt im Biobereich nach Marken wie Bioland oder Demeter.
Und nicht unterschätzen sollte man bei der Umstellung „den Faktor Mensch“. Jeder Landwirt sollte genau abwägen, ob die Umstellung etwas für ihn ist oder nicht. Passt die Umstellung zu mir und zum Betrieb? Ökologischer Landbau ist nicht für jeden was. Man muss auf Bio Lust haben und auch die ganze Familie muss dabei mitziehen. Denn Bio bedeutet unter anderem höhere Auflagen und auch mehr Kontrollen. Und es bedeutet auch gerade im Ackerbau eine andere Produktionsweise. Dazu muss man bereit sein, das muss man wollen. Ökolandbau birgt im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft auch einige Risiken: Das Ertragsrisiko ist höher, die Qualitätsrisiken können steigen und auch im Ökomarkt sind die Preise zum Teil volatil. Auf der anderen Seite bietet der Ökolandbau auch Chancen. Bio ist ein Wachstumsmarkt mit in der Regel im Vergleich zum konventionellen Anbau höheren Erzeugerpreisen und stabileren Preisen.
Also warum nicht die Umstellung wagen? Auch wenn derzeit die politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der neuen EU-Ökoverordnung etwas undurchsichtig sind, sollte dies diejenigen, die zukünftig auf den Ökolandbau setzen wollen, nicht von der Umstellung abhalten. Der Ökolandbau erfüllt viel, was die Gesellschaft wünscht. Natürlich muss er sich rechnen, dies steht für die umstellungswilligen Landwirte außer Frage. Fakt ist auch, das Politikrisiko, das die Landwirte mit einer Umstellung eingehen, ist gering. Denn durch die Bank will die politische Landschaft Bio. Insbesondere die Landwirte in NRW können sicher sein, dass auch weiterhin der ökologische Landbau gefördert wird. Zwar ist der Umfang unsicher und auch die Art und Weise, aber NRW hat sich nun einmal zum Ziel gesetzt, den Anteil seiner Ökofläche noch weiter zu steigern. Aber auch der Handel ist in der Verantwortung: Die Ökoprodukte dürfen trotz eines großen Angebots nicht verramscht und aus dem Ausland bezogen werden.