EU-Naturschutzpaket: Schelte vom DBV

Foto: imago/Rüdiger Wölk

„Was die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen zu einer pauschalen Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes sowie der verstärkten Stilllegung von Flächen auf den Weg bringen will, würde dazu führen, dass unsere Eigenversorgung in Europa erheblich zurückgeht und der Importbedarf deutlich ansteigt“, erklärte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV)  am Montag. Damit würden nicht nur die eigene Versorgungssicherheit und die politische Stabilität in Europa ins Wanken gebracht; auch die Ernährungssituation in Ländern des globalen Südens würde weiter verschärft. Diese Politik müsse dringend korrigiert werden. Der Krieg in der Ukraine führe vor Augen, dass Versorgungssicherheit keine Selbstverständlichkeit sei. Rukwied stellte klar, dass der Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität nach wie vor weit oben auf der Agenda der deutschen Bauern stehe. Der Agrarsektor habe den Einsatz und die Risiken bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bereits deutlich reduziert und erbringe zahlreiche Leistungen beim Umwelt- und Naturschutz. Verstärkte Stilllegungen von Flächen sowie pauschale Reduktionsziele seien aber in Zeiten von globalen Versorgungskrisen weder zielführend noch verantwortbar.

Rukwied widersprach auch dem tschechischen Landwirtschaftsminister und amtierenden EU-Agrarratspräsidenten Zdeněk Nekula, der Befürchtungen geäußert hatte, in den kommenden beiden Jahren könnte auf dem EU-Markt unter Umständen eine Getreideüberversorgung drohen. Rukwied rechnet zumindest für 2023 weiterhin mit einer angespannten Lage. Als Grund nannte er insbesondere die unsichere Gasversorgung und die daraus zu erwartenden negativen Auswirkungen auf das Angebot an mineralischen Stickstoffdüngern. Dies hätte dann trotz einer Ausweitung der Weizenanbaufläche unmittelbare Folgen auf den Ertrag. Ein weiteres Problem sei der drohende Treibstoffmangel.

AgE