Von der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) betroffene Unternehmen können auf noch mehr Vorbereitungszeit hoffen. Die Europäische Kommission plant offenbar, die Umsetzung nochmals um zwölf Monate zu verschieben. Das haben mehrere Europaabgeordnete gegenüber AGRA Europe bestätigt. Demnach hat Umweltkommissarin Jessika Roswall in einem Brief an den Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments einen entsprechenden Vorschlag der Brüsseler Behörde in Aussicht gestellt. Dieser müsste dann noch von den Gesetzgebern abgesegnet werden. Nach aktuellem Stand wird die EUDR zum Jahreswechsel umgesetzt.
Von der EVP-Fraktion im Europaparlament wird der geplante Aufschub begrüßt und als Erfolg verbucht. Außerdem drängt die Fraktion weiterhin darauf, auch inhaltlich noch mal Hand an die Verordnung zu legen. „Nun ist es Aufgabe von Europäischer Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten, gemeinsam an einer grundlegenden Überarbeitung zu arbeiten“, erklärte die zuständige Berichterstatterin, Christine Schneider. „Wesentlich“ ist für sie dabei die Einführung einer Null-Risiko-Kategorie. Regionen und Produkte, bei denen keinerlei Gefahr der Entwaldung bestehe, müssten unbürokratisch und ohne zusätzliche Nachweispflichten behandelt werden. „Nur so kann die Regulierung zielgenau wirken, ohne diejenigen zu belasten, die nachweislich nachhaltig und verantwortungsvoll wirtschaften“, verdeutlichte die CDU-Politikerin. Schneider will sich bei der Überarbeitung der Verordnung dafür einsetzen, dass der Nachweis der Entwaldungsfreiheit ausschließlich beim Erstinverkehrbringer auf dem europäischen Markt liegt. Damit werde die nachgelagerte Lieferkette entlastet.
Auch der umweltpolitische Sprecher der EVP, Peter Liese, zeigte sich erfreut. „Endlich haben unsere Bemühungen Erfolg“, erklärte Liese. Nach seinen Angaben würde ein unverändertes Inkrafttreten der Entwaldungsverordnung viele kleine Waldbauern, Landwirte und Mittelständler vor unlösbare Probleme stellen. Auch Liese mahnt eine inhaltliche Überarbeitung der EUDR an. Der Verschiebung müssten „dringend Vereinfachungen folgen“. In Ländern wie Deutschland, in denen es klare Vorgaben gebe und in denen Entwaldung einfach nicht stattfinde, sollten Waldbauern und Landwirte von jeglichen Auflagen befreit werden. Dies müsse auch für Drittstaaten gelten, bei denen es sich genauso verhalte.
Der umweltpolitische Sprecher der CSU im Europaparlament, Stefan Köhler, bezeichnete die erneute Verschiebung als „dringend notwendig“. Die EUDR belaste Waldbesitzer und Forstwirte mit zusätzlicher, unverhältnismäßiger Bürokratie. Teil der notwendigen „Entbürokratisierung“ müsse eine Null-Risiko-Kategorie für Regionen und Produkte sein, bei denen nachweislich keine Entwaldung stattfinde. AgE