Tag der Milch: Bauernvertreter und Politik machen auf schwierige Lage der Milchviehbetriebe aufmerksam
Faire Erzeugerpreise und eine nationale Herkunftskennzeichnung für Milch und Milchprodukte sind zum Tag der Milch gefordert worden, der am Dienstag vergangener Woche deutschlandweit mit Aktionen begangen wurde. Der Hessische Bauernverband (HBV) machte auf den Strukturwandel in der heimischen Milchviehhaltung aufmerksam. Allein in den zurückliegenden zehn Jahren sei die Zahl der Milchkuhhalter in dem Bundesland um rund 1 500 auf nun 2 400 zurückgegangen, die Zahl der Milchkühe um 20 000 auf jetzt 130 000. Angesichts der Bedeutung der heimischen Milchproduktion für die regionale Lebensmittelversorgung und den Erhalt des Grünlands mit seinen positiven Wirkungen für den Arten- und Klimaschutz sei es wichtig, dass die Betriebe einen guten Milchauszahlungspreis sowie vernünftige und verlässliche Rahmenbedingungen bekämen.
Die Landesvereinigung Thüringer Milch (LVTM) appellierte, an der Supermarktkasse bei hochwertigen Naturprodukten wie Milch nicht zu sparen. Milch habe einen Wert und dieser einen Preis. Der Sächsische Landesbauernverband (SLB) kritisierte, dass es bisher keine eindeutige Kennzeichnung der Standards entsprechend dem Qualitätssicherungssystem für die Milcherzeugung (QM-Milch) gibt. Ein solches Siegel könne das Vertrauen in die heimische Milchviehhaltung stärken. Der Verbraucher könne dann leichter jene Produkte erkennen, die nachhaltig und sicher produziert worden seien. Zudem müssten die Leistungen für mehr Tierwohl auch honoriert werden. Allein das sichere den Lebensunterhalt von Milchkuh und Landwirt.
Die Linken im Bundestag mahnten, die Milcherzeuger nicht dem Markt zu opfern. Die Betriebe müssten im Interesse fairer Erzeugerpreise endlich von der Übermacht der Molkerei- und Supermarktkonzerne befreit werden. Das gehe nur mit fairem Handel und einer strategischen Neuausrichtung der Lieferkette auf Versorgungssicherung mit regionaler Wertschöpfung und stabilen, kooperativen Wirtschaftskreisläufen sowie einer nachfrageorientierten Mengensteuerung. Das Marktungleichgewicht zwischen Erzeugern und Verarbeitern brauche ein „gemeinwohlorientiertes Kartellrecht, das Oligopol-Strukturen in der Verarbeitung und Vermarktung unterbindet“. Die bayerische SPD-Landtagsfraktion forderte eine höhere Honorierung von mehr Tierwohl. Der Freistaat plane den Ausstieg aus der Anbindehaltung von Milchkühen. Aber die Entschädigungszahlungen für die Landwirte seien zu gering angesetzt, um Fortschritte im Tierwohl zu erreichen.
Vom European Milk Board (EMB) kam die Warnung, dass den Betriebsleitern und Familienarbeitskräften im europäischen Milchsektor im Durchschnitt nur ein Einkommen bleibe, das weit unter dem Mindestlohnniveau liege. Diese Lage werde sich weiter verschlimmern, da die Kosten der Milchproduktion durch Verteuerungen und Knappheit beim Futter, durch Klimafolgen und erhöhte Auflagen immer weiter „davongaloppieren“. Der Preis jedoch entwickle sich nicht nach oben, sondern bleibe weiter viel zu niedrig.
Zum Tag der Milch fanden wieder zahlreiche Aktionen statt. Mit welchen Aktionen die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW aufwartete, lesen Sie auf S. 55.
AgE