Feldhase, Rebhuhn & Co. fördern

Foto: Sabine Aldenhoff

„Welcher Ort wäre passender für den Start eines Naturschutzprojekts zur Förderung von Offen-Land-Arten wie Rebhuhn, Feldhase, Feldlerche & Co., als ein Blühstreifen in offener Flur?“, fragte Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, am Mittwoch vergangener Woche beim Pressetermin am Feldrand von Landwirt Felix Streuff in Rees. Er freue sich über den Start des Projekts, an dem neben der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft auch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft sowie als Hauptförderer die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege beteiligt sind. Weitere Projektpartner sind der Rheinische Landwirtschafts-Verband, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, der Rheinische Verband der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften, der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe sowie der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen. Pate bei der Namensgebung für das Projekt stand der Feldhase, lateinisch Lepus europaeus.

Hintergrund für das Projekt sind die alarmierenden Bestandsentwicklungen bei Offen-Land-Arten wie unter anderem Feldhasen, deren Populationen seit 1980 teils um mehr als 90 % zurückgegangen sind. Diesen Trend umzukehren und die Lebensraumbedingungen für Niederwildarten und Bodenbrüter zu optimieren und so die Biodiversität in der Kulturlandschaft zu fördern und zu erhalten, ist erklärtes Ziel des auf drei Jahre angesetzten Projekts.

Für jeden was dabei

„Wir gehen mit Landwirten, Grundbesitzern, Jägern und Naturschützern neue Wege, um dem Artenverlust entgegenzuwirken. Das ist eine große Aufgabe, die vor uns liegt, und wir beteiligen uns sehr gerne an diesem Projekt“, erläuterte Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung, deren exklusive Förderung in Höhe von 703 000 € liegt. „Der Artenschutz ist auch eine Standortfrage für unsere Landwirtschaft!“

„Die Bereitschaft, sich für den Artenerhalt einzusetzen, ist groß. Aber oft fehlt der Überblick, welche Maßnahmen sich wo und wann am besten eignen“, stellte Decker fest. Der Maßnahmenkatalog des LEPUS NRW-Projekts reicht von der Aufwertung von Waldrändern und Heckenkomplexen über die Gestaltung und Pflege von Kleingewässern und Gräben bis hin zur Anlage von Blühflächen. Diese und viele weitere Maßnahmen sind im AgrarNatur-Ratgeber zusammengetragen, der bei der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft als Printausgabe oder als Download erhältlich ist.

Fünfköpfiges Beratungsteam

Damit Interessierte nicht den Überblick verlieren und für jeden Teilnehmenden passende, individuelle Vorschläge ausgearbeitet werden können, steht im Rahmen des Projekts ein fünfköpfiges Beratungsteam im Rheinland und in Westfalen-Lippe zur Verfügung, das Landwirte, Revierpächter, ehrenamtliche Naturschützer und sonstige Interessierte darüber berät, wie die Lebensbedingungen für heimische Tierarten verbessert werden können. „Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Beratung und Umsetzung sowie der Finanzierung, bei der vorrangig bestehende Förderprogramme genutzt werden sollen. Der Aufwand, jeden landwirtschaftlichen Betrieb gesondert zu betrachten, lohnt sich, denn wenn wir die richtigen Maßnahmen gefunden und umgesetzt haben, werden diese meist lange über das Projektende hi­naus fortgesetzt und umso mehr ökologisch wirksam“, erklärte Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.

Landwirt Felix Streuff, der auch als Hegeringleiter und Obmann Naturschutz der Kreisjägerschaft aktiv ist und 550 Milchkühe im Stall stehen hat, berichtete von seinen eigenen Maßnahmen zur Förderung von Niederwild und Bodenbrütern. Etwa 5 % seiner bewirtschafteten Fläche seien als Blühstreifen angelegt, auch an Maßnahmen wie Ernteverzicht von Getreide und Stehenlassen von Getreidestoppeln habe er sich schon beteiligt: „Diese Kombination aus intensiver Landwirtschaft und Rückzugsflächen für Offen-Land-Arten funktioniert sehr gut!“

Interessenten für das Projekt LEPUS NRW können sich bei der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft melden. Ausführliche Informationen finden sich unter www.lepus-nrw.de. as