Transformation heißt das Zauberwort. Es ist das, was Politik und Gesellschaft von der Landwirtschaft fordern. Die Landwirtschaft soll sich wandeln. Aber ein Mehr an Klima-, Umwelt-, Tier- und Artenschutz kostet Geld. Hier ist die Politik gefordert, insbesondere bei der Tierhaltung die Finanzierung jetzt möglichst schnell auf den Weg zu bringen.
Dass sich die Landwirtschaft ändern muss, daran geht wohl kein Weg vorbei. Im Gegenteil: Die Landwirtschaft hat dies längst erkannt. Sie will mitziehen und unter anderem mehr für den Tierschutz tun. Allerdings geht dies nicht zum Nulltarif. Höhere Anforderungen an Tierschutz und Umweltschutz kosten nun einmal Geld, und zwar viel Geld.
Aber sind die Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich bereit, dieses „Mehr“-Geld für die Erzeugnisse ihrer Bäuerinnen und Bauern in die Hand zu nehmen? Inzwischen wohl eher nicht mehr. Der Ukrainekrieg und die Coronapandemie haben unsere Welt durcheinandergewirbelt. Der anhaltende Krieg sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Lebensmittel- und Energiepreise explodieren und führen dazu, dass sich das Konsumklima so trüb wie nie zeigt. Vor allen Dingen der Anstieg der Lebenshaltungskosten drückt schwer auf die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat für den aktuellen Monat im Vergleich zum Juni schon einen Rückgang des Konsumklimas um 1,2 Punkte auf –27,4 prognostiziert. Wie es im Moment aussieht, dürfte sie mit dieser Schätzung sicher recht behalten.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher gucken im Moment mehr denn je auf den Preis. Insbesondere höherpreisige Lebensmittel wie Fleisch sind weniger gefragt. Das bekommen auch die Direktvermarkter zu spüren, auch die Direktvermarkter im Rheinland (siehe Seite 12 bis 14). Während die Hofläden in den Coronajahren 2020 und 2021 regelrecht boomten und stark frequentiert wurden, beklagen die Direktvermarkter jetzt teilweise zurückgehende Kundenzahlen und Rückgänge im Verkauf. Der bewusste Konsum rückt offensichtlich derzeit in den Hintergrund und ist zweitrangig. Wie formulierte es ein Direktvermarkter: „Die Leute wollen lieber in den Urlaub fahren, essen gehen und feiern.“
Wenn das Heizen, das Tanken und der Strom teurer werden, dann verändern Verbraucher ihr Kaufverhalten und schnallen den Gürtel enger. Das trifft unter anderem die Lebensmittel. Gefragt sind derzeit eher preiswerte Lebensmittel. Und davon profitieren natürlich die Discounter mit ihrer Billigpreispolitik. Dies kommt zwar augenblicklich den Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr denn je entgegen, aber Leidtragende sind die Landwirte. Die teils drastischen Preissenkungen für Fleischprodukte, die Aldi Nord und Aldi Süd und auch andere Lebensmitteleinzelhändler angekündigt haben, treffen insbesondere die Schweinehalter hart. Offensichtlich geht es den Einkäufern im Lebensmittelhandel aller Bekenntnisse zu „5xD“ zum Trotz weiter ausschließlich darum, möglichst billig einzukaufen. Ein harter Schlag gegenüber den ohnehin seit Monaten schwer gebeutelten Schweinehaltern.
Aber vielleicht müssen auch Aldi & Co. bald zurückrudern und etwas an ihrer Zahlungsmoral ändern. Die Angst vor leeren Regalen ist in den derzeitigen Krisenzeiten groß und Liefersicherheit ist gefragt. So hat Aldi Süd und die Aldi-Süd-Tochter Hofer, wie die Lebensmittel Zeitung kürzlich berichtete, in einem Schreiben an zahlreiche Lieferanten eine reibungslose Warenversorgung für das Jahresendgeschäft eingefordert und will bei Nichteinhaltung den entgangenen Gewinn den Lieferanten in Rechnung stellen. Wer allerdings eine solche Liefersicherheit fordert, der muss dafür auch zahlen und für faire Preise sorgen.
Aber faire Preise hin oder her, über die Preise an der Ladenkasse dürfte die künftige Transformation der Landwirtschaft nicht zu stemmen sein. Hier ist vielmehr die Politik gefordert. Sie darf nicht weiter zusehen, wie immer mehr Tierhalter aufgeben, sondern sie muss etwas unternehmen. Sie muss vor allen Dingen dafür sorgen, dass endlich die Finanzierung in Sachen Umbau der Tierhaltung auf den Weg kommt. Der Borchert-Plan muss jetzt endlich umgesetzt werden. Und hier ist Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir gefordert, sich mit seinen Koalitionspartnern endlich auf eine Finanzierung zu einigen. Die notwendigen Anpassungen zum Bau von Tierwohlställen müssen ebenfalls schnellstens auf den Weg gebracht werden. Die Landwirte brauchen Klarheit. Ja, sie brauchen Planungssicherheit und dafür muss man jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen, und zwar schnell. „Herr Minister, Sie sind am Zug!“