Fleischnachfrage wandelt sich

Foto: imago/Sven Simon

Fragen der Nachhaltigkeit werden in den kommenden zehn Jahren zunehmend die Erzeugung und den Verbrauch von Fleisch in der Europäischen Union beeinflussen. Davon geht zumindest die EU-Kommission in einer aktuellen Langfristprognose aus. Auch aufgrund dieses Bewusstseinswandels erwartet sie einen Rückgang bei Produktion und Verzehr. So soll der Fleischkonsum in der EU bis 2031, gemessen am Mittel der Jahre 2019 bis 2021, um rund 800 000 t oder 2 % auf 37,2 Mio. t sinken. Für den durchschnittlichen Pro-Kopf-Verzehr wird eine Abnahme von 800 g auf 67 kg angenommen. Die  Fleischerzeugung in den Mitgliedstaaten soll im Betrachtungszeitraum sogar um 4 % auf 42,9 Mio. t zurückgehen.

Modernisierungen, innovative Technologien und Änderungen in der landwirtschaftlichen Praxis werden nach Einschätzung der Kommission die Fleisch-erzeugung effizienter und umweltfreundlicher machen. Die Besorgnis der Verbraucher über die Umwelt und den Klimawandel werde dazu führen, dass dem Produktionsprozess und der Herkunft der Produkte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde. Weitere Faktoren für sich ändernde Verbrauchergewohnheiten dürften gesundheitliche Ernährungsfragen, aber auch die Bequemlichkeit mit Verlagerung der Nachfrage zu mehr verarbeitetem Fleisch und Convenience-Produkten sein. Die EU-Kommission rechnet nicht damit, dass Laborfleisch in den kommenden zehn Jahren zu einem Konkurrenten wird, da es Probleme mit der Verbraucherakzeptanz und dem Preis gebe. Fleischalternativen auf pflanzlicher Basis dürften jedoch an Bedeutung gewinnen.

Für die einzelnen Fleischarten prognostiziert die Kommission unterschiedliche Entwicklungen. So soll der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch bis 2031 gegenüber dem Referenzzeitraum um 1,3 kg auf 24,8 kg steigen und die EU-Produktion um 4 % auf 14,1 Mio. t wachsen. Geflügelfleisch gilt bei einigen Verbrauchern im Vergleich zu anderen Fleischsorten wegen des geringeren Fettanteils als gesünder, ist leichter zuzubereiten, preiswerter und hat je Kilogramm geringere CO2-Emissionen als beispielsweise Rindfleisch. Für Schaf- und Lammfleisch wird ein Verzehrszuwachs um 100 g auf durchschnittlich 1,4 kg pro Kopf erwartet. Zu den Verlierern dürfte hingegen Schweinefleisch gehören. Der betreffende Konsum eines EU-Bürgers soll in der nächsten Dekade im Schnitt um 1,5 kg auf 32,0 kg sinken; das entspräche in der Gemeinschaft insgesamt einem Minderverbrauch von fast 1 Mio. t. Die Erzeugung von Schweinefleisch sieht die Kommission in einem noch stärkeren Rückwärtsgang; diese soll bis 2031 um 1,8 Mio. t oder fast 8 % auf 21,5 Mio. t abnehmen. Ähnlich sieht es bei Rindfleisch mit einem erwarteten Produktionsrückgang von ebenfalls 8 % auf 6,6 Mio. t aus; der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch soll um etwa 700 g auf 9,7 kg im Jahr abnehmen. Rindfleisch hat im Rahmen der Klimadiskussion einen schweren Stand, ist in der Küche schwerer zu handhaben und dürfte bei abnehmendem Angebot im Vergleich zu den anderen Fleischarten relativ teuer bleiben.

AgE