Frag doch mal den Landwirt: Gut besuchte Podiumsdiskussion in Alpen-Veen

Foto: Christiane Närmann-Bockholt

Mit rund 1 000 Flyern und mehreren großen Bannern an Verkehrsknotenpunkten haben die Veranstalter die Verbraucher zur Podiumsdiskussion eingeladen. Und das ist der Landjugend und Ortsbauernschaft Veen zusammen mit dem Netzwerk „Land schafft Verbindung“ gelungen. Rund 120 Gäste waren am Donnerstag letzter Woche zum Spargelhof Schippers in Alpen-Veen gekommen und setzten das Motto des Abends „Frag doch mal den Landwirt“ in die Tat um.

„Das Thema scheint zu elektrisieren, selbst in einem von der Landwirtschaft geprägten Dorf wie Veen. Viele Landwirte schauen heute mit Sorge in die Zukunft“, machte Ortsvorsteher Michael van Beek in seiner Begrüßung deutlich. Einen anschaulichen ersten Einblick in die Betriebe der sechs Landwirte, die sich der Diskussion mit den Verbrauchern stellten, bekamen die Gäste durch kurze Videos. Mit den Landwirten Lukas Wache, Ruth Laakmann, Martin Wache, Johannes Paaßen, Tobias Brammen und Georg Biedemann war auch Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, auf dem Podium vertreten.

Zu Beginn der Fragerunde, die von Marleen Wache und Lukas Hegmann von der Landjugend Veen souverän moderiert wurde, kamen eher fachspezifische Fragen aus dem Publikum. Da ging es zunächst um die Düngeverordnung, das Messstellennetz und die Einstufung der Grundwassergebiete. Staatssekretär Bottermann wies da­rauf hin, dass das Messstellennetz überprüft werde und eine Binnendifferenzierung in Arbeit sei. Er sehe eine „vorsichtige Tendenz“, dass die Nitratbelastung abnehme und damit die Maßnahmen der letzten Jahre Wirkung zeigten.

Ihre Sorgen in Sachen Düngeverordnung formulierten die Landwirte griffig und machten sie auch für Verbraucher nachvollziehbar und verständlich. „Wenn wir die Zwischenfrüchte nicht mehr entsprechend ihrem Nährstoffbedarf düngen dürfen und sie dann schlecht wachsen, dann ist das kontraproduktiv“, erklärte Ackerbauer Martin Wache an einem Beispiel aus dem eigenen Betrieb. „Und eine gut entwickelte Zwischenfrucht trägt zur CO2-Bindung und zum Humusaufbau bei“, ergänzte Georg Biedemann. Dass manche Verordnung an der Praxis vorbeigehe und der Korrektur bedürfe, das machte auch Biobäuerin Ruth Laakmann deutlich.

Eine Reihe von Fragen drehte sich um das Thema Gülle. „Warum lassen sich die Gülle-Importe aus den Niederlanden nicht verbieten,“ wollte ein Gast wissen. „Wir leben in der EU und es gilt der Grundsatz, dass Gülle ein Wirtschaftsgut ist, das frei handelbar ist“, machte Bottermann deutlich. Gülle sei wertvoller Dünger und helfe, energieaufwendig erzeugten Mineraldünger einzusparen, erklärten die Ackerbauern auf dem Podium. „Wie kommen die Landwirte damit zurecht, dass immer mehr Flächen wegfallen“, lautete eine andere Frage. Ob Auskiesung, Bauland-Erschließung oder Straßenbaumaßnahmen, der Druck auf die Flächen wächst. „Nicht zuletzt entziehen die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen weitere Flächen. Die steigenden Bodenpreise treffen uns Landwirte am Niederrhein stark“, schilderte Milchviehhalter Johannes Paaßen. Die Landesregierung habe ein „Flächensparprogramm“ in der Pipeline, kündigte Bottermann an.

Ein weiteres Thema war das Preisdumping bei Lebensmitteln: „Wie lässt sich erreichen, dass mehr Geld bei den Landwirten ankommt?“ „Ich bin bereit, eine Fleischsteuer zu zahlen“, erklärte Bottermann, auch eine Klimaleistung sei nicht zum Nulltarif zu haben. Die Landwirte forderten, auch den Lebensmittelhandel in die Pflicht zu nehmen, denn der verdiene nicht am Verkauf, sondern am Einkauf. Einig waren sich Landwirte und Verbraucher am Ende, den Dialog zu verstärken und die Wertschätzung der Lebensmittel zu verbessern. cnb