Fragen im Gepäck

Foto: privat

Anfang September ist er mit einer Liste von Fragen im Gepäck angereist. Denn Herman Mugisha hatte sich vorgenommen, während seines zweimonatigen Praktikums in Deutschland möglichst viele Erfahrungen und Wissen zu sammeln. Das ist ihm dank des Engagements von Rainer und Ulrike Coenen auch gelungen. „Wir haben versucht, nach und nach alle Fragen zu beantworten“, berichtet Ulrike Coenen. Die Coe­nens bauen auf ihrem Betrieb in Kaarst je nach Jahr auf 17 bis 20 ha Kartoffeln, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Pflaumen, Rhabarber, Kürbisse, Grünkohl, Rosenkohl, Buschbohnen und Schnittblumen an. Ihre Produkte vermarkten sie hauptsächlich über den eigenen Hofladen, aber auch über Wochenmärkte. Die Leidenschaft für den Pflanzenbau haben sie mit Herman Mugisha gemeinsam. Der 34-Jährige baut auf seiner Farm in Uganda auf knapp 3 ha Gemüse an, hauptsächlich Zwiebeln und Paprika.

 

Herman ist ein Teamplayer

 

Von dem International Young Farmers Exchange Program (IYFEP), dem Austauschprogramm der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes, hat er über den Verband junger Landwirte in Uganda (UNYFA) erfahren. Herman bewarb sich und erhielt schlussendlich eine Zusage. In dem Austauschprogramm wird darauf geachtet, dass die Praktikanten an einen Gastbetrieb vermittelt werden, der ihre Interessen abdeckt und „so bin ich hier gelandet“, erzählt der Farmer auf Englisch. Er arbeitet in allen Bereichen des Betriebs mit, sowohl auf dem Feld als auch im Hofladen. „Wenn jemand Unterstützung braucht, helfe ich, denn ich bin ein Teamplayer“, betont Herman. Kommuniziert wird dabei in Englisch oder notfalls mit Händen und Füßen. Die Arbeit im Hofladen habe seine Organisationsfähigkeit verbessert, sagt er und dadurch hatte er auch Kontakt zu den Kunden. „Alle waren nett, auch die Mitarbeiter hier auf dem Hof sind sehr hilfsbereit. Wenn man etwas nicht weiß, bringen sie es einem bei“, berichtet der Ugander von seinen guten Erfahrungen.

 

Er habe außerdem gelernt, was das Sprichwort „Zeit ist Geld“ bedeutet, weil die Bewirtschaftung in Deutschland schneller und effizienter ablaufe. „Hier werden viel mehr Maschinen genutzt, in Uganda ist es mehr Handarbeit“, vergleicht er. Auch die Kulturpflanzen würden sich unterscheiden. In Deutschland gebe es mehr Sortenvielfalt, beispielsweise bei den Zwiebeln. Außerdem sei die optische Qualität in Deutschland deutlich besser. Wobei er Qualität nicht mit Geschmack gleichsetzt, denn er findet das Gemüse in seiner Heimat schmackhafter. „Gründe dafür könnten sein, dass Uganda ein tropisches Land mit anderen Böden ist“, vermutet der Farmer. Trotz der vielen Unterschiede zwischen Deutschland und Uganda betont er: „Die Leidenschaft für die Landwirtschaft ist die gleiche.“

 

Lieblingsgemüse Paprika

 

Da er besonders großes Interesse an dem Anbau von Paprika hat, die Coe­nens allerdings selbst keine Paprika anbauen, haben sie mit ihm den ehemaligen Ausbildungsbetrieb von Rainer Coe­nen besucht, auf dem Paprika im Gewächshaus angebaut werden. „Das war großartig“, freut sich Herman . „Der Betriebsleiter Michael Esser hat sich sehr viel Zeit genommen, alles zu erklären, und von der Gemüsebaufachgruppe haben wir Unterlagen zum Paprikaanbau bekommen, die er sich übersetzen kann“, berichtet Ulrike Coenen. Darüber hinaus haben sie gemeinsam weitere Exkursionen unternommen, zum Beispiel zu einem Betrieb in Venlo, der Tomaten anbaut. „Wir waren auch auf dem Betrieb Bonnacker und haben uns den Erdbeeranbau im Gewächshaus angeschaut“, erzählt Rainer Coenen. Außerdem hat der Gemüsebauer aus Uganda drei Tage auf einem Betrieb mit Strohschweinen in Soest verbracht. Das Haltungssystem hat ihm gut gefallen, aber er und die Coenens sind sich einig: Im Herzen ist man entweder Tierhalter oder Pflanzenbauer und die gemeinsame Liebe zum Pflanzenbau verbindet sie.

kj

 

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