Die Europäische Union und Neuseeland haben sich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Wie EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis und der neuseeländische Handelsminister Damien O’Connor erklärten, haben sich „zwei gleichgesinnte Partner“ mit jeweils sehr hohen Lebensmittelstandards auf ein Abkommen mit hohen Nachhaltigkeitsstandards verständigt. Dieses sieht die Abschaffung aller Zölle auf EU-Ausfuhren nach Neuseeland vor. Gemäß der EU-Kommission dürfte der bilaterale Handel dank der Übereinkunft um bis zu 30 % wachsen, wobei sich die jährlichen EU-Ausfuhren um bis zu 4,5 Mrd. € erhöhen könnten. Im Hinblick auf den Agrarsektor unterstreicht die EU-Kommission, dass die hiesigen Landwirte unmittelbar nach Inkrafttreten des Abkommens „wesentlich bessere Möglichkeiten“ haben werden, ihre Erzeugnisse in Neuseeland zu verkaufen.
Zugeständnisse bei Milch und Fleisch
Verbleibende Handelsschranken gibt es derweil für einige Agrarprodukte aus Neuseeland. Allerdings werde das Land künftig zusätzlich bis zu 25 000 t Käse im Jahr zollfrei in die Europäische Union exportieren dürfen, berichteten Verhandlungsteilnehmer. Laut Kommission macht das lediglich 0,27 % des EU-Verbrauchs aus. Auch für Milchpulver öffnet Brüssel seinen Markt für Importe aus Neuseeland. Weitere Handelsliberalisierungen soll es gemäß der Übereinkunft auch für Butter geben.
Für Schaffleisch wurde Neuseeland ebenfalls bei schrittweiser Anhebung eine Erhöhung der zollfreien Importmenge eingeräumt. Dazu hieß es aus der Kommission, dass der Handelspartner seine derzeitige Importquote bisher nicht ausschöpfe. Für neuseeländisches Rindfleisch beträgt die Quote zum Abschluss 10 000 t, die zu einem präferierten Zollsatz von 7,5 % in die EU importiert werden dürfen. Dies entspricht laut der Brüsseler Behörde nur 0,15 % des EU-Bedarfs. Zugleich heißt es, dass ausschließlich hochqualitatives grasgefüttertes Rindfleisch über das genannte Zollkontingent eingeführt werden dürfe. Fleisch aus umstrittenen Feed-Lots sei ausgeschlossen.
Kritik von beiden Seiten
Das Freihandelsabkommen stößt beim Milchpräsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, auf Kritik. Die jetzt bekanntgewordenen Ergebnisse würden die europäischen Milchvieh- und Schafhalter vor zusätzliche massive Herausforderungen stellen. Auch der Generalsekretär der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), Pekka Pesonen, kritisierte, dass die Übereinkunft für Schlüsselsektoren wie die Milch-, Schaf- und Rindfleischproduktion schmerzhaft sei.
Für einen Markt, der jährlich 6,5 Mio t Rindfleisch verbrauche, liege das ausgehandelte Zugeständnis weit unter den Erwartungen, stellte der Geschäftsführer des neuseeländischen Branchenverbands Beef + Lamb New Zealand, Sam McIvor, fest. Die Geschäftsführerin der neuseeländischen Meat Industry Association (MIA), Sirma Karapeeva, zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Dieses Abkommen verschaffe den eigenen Exporteuren insbesondere bei Rindfleisch keinen wirtschaftlich sinnvollen Zugang.
AgE