Für mehr Tierwohl im Kälberstall

Foto: Prof. Dr. Barbara Benz

Damit Kälber die Zukunft der Herde bleiben, ist optimales Tierwohl bei der Aufzucht wichtig. Was dazu möglich ist, erklärt Prof. Dr. Barbara Benz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

 

Kälber müssen gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ab Geburt Sicht- und Berührungskontakt zu ihren Artgenossen haben. Die neueste Verordnung fordert trockene Liegeflächen, die außerdem weich oder elastisch verformbar sein müssen. Seit 2023 dürfen Kälber erst ab 28 Tagen transportiert werden. Eventuell wird die EU diese Regelung zukünftig noch auf 35 Tage verlängern. Dann werden Betriebe mehr Kapazitäten für die Kälberaufzucht vorhalten müssen.

 

Mehr Kapazitäten vorhalten

 

Kälber bis zu acht Wochen dürfen derzeit bei entsprechendem Platzangebot noch einzeln gehalten werden. In der Praxis stellen viele Betriebe daher bereits vor dem Absetzen auf Gruppenhaltung um.

 

Da laut Verordnung auch zwei Kälber als Kleingruppe gelten, bietet es sich für größere Betriebe an, altersmäßig zueinander passende weibliche Kälber zusammen aufzuziehen. Das bringt vielerlei Vorteile, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Die Kälber animieren sich gegenseitig zur Futteraufnahme, sind robuster und entwickeln sich besser. Sie sind zudem offener gegenüber neuen Futtermitteln, was für das Absetzen vorteilhaft ist. Zum Teil fressen gemeinsam aufgezogene Rinder sogar noch später als Milchkühe nebeneinander, was Tierärzten und Tierhaltern zum Beispiel bei Bestandsuntersuchungen durch fortlaufende Ohrmarkennummern auffällt. In der Praxis bewähren sich Systeme, bei denen eine Einzelhaltung durch He­rausnehmen einer Trennwand zur Doppelhaltung umgebaut werden können. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Mindestgröße für die beiden Kälber als Kleingruppe 4,5 m2 beträgt.

 

Das Dilemma der Aufzucht weiblicher Rinder liegt grundsätzlich darin, dass diese mindestens zwei Jahre lang nicht produktiv sind. Die Aufzuchtkosten müssen durch die Milchkühe erwirtschaftet werden. Gleichzeitig ist jedoch die Qualität der Aufzucht entscheidend für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit der späteren Kuh.

 

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