Gebietsabhängig aussäen

Foto: Kathrin Ernsting

Lokal, regional, ganz egal? Diese Frage stellt sich auch beim Saatgut für Naturschutzzwecke, denn „In der Natur ist alles fein aufeinander abgestimmt“, wie Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin Bundesamt für Naturschutz (BfN), beim Treffen mit Vertretern der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und der Presse unterstrich. Gemeinsam hatte man die Wildpflanzenstreifen am Meßdorfer Feld in Bonn in Augenschein genommen, die Landwirt Josef Berg hier ausgesät hatte.

Saatgut für bunte Blühstreifen im eigenen Garten oder auf dem Balkon wird immer beliebter und ist fast überall zu kaufen. Vielen, die Saatgut zu Naturschutzzwecken einsetzen, ist die Bedeutung der Saatgutherkunft jedoch nicht bewusst. „Das können echte Wundertüten sein!“, mahnt Beate Jessel zum Blick auf die Verpackung. Denn wenn man nicht auf regiozertifizierte Pflanzen setze, könne gut gemeintes Engagement unter Umständen sogar negative Auswirkungen auf die Vielfalt heimischer Pflanzen- und Tierarten haben. Da sei das Aussäen aus Naturschutzsicht fragwürdig, denn nicht heimische Sorten hätten oft einen eingeschränkten Nutzen. Vor diesem Hintergrund sensibilisiert die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft in ihrer Aufklärungskampagne „Lokal, regional, ganz egal?!“ für den Erhalt der innerartlichen Vielfalt. Zu den Zielgruppen der Aufklärungskampagne gehören all jene, die Blühflächen anlegen, wie beispielsweise Städte und Gemeinden, Planungsbüros, Naturschutzinitiativen und -verbände und Umsetzende von Naturschutzeinsaaten aus Wirtschaftsunternehmen, Landwirtschaft, Jagd, Imkerei, Familien- oder Bildungseinrichtungen.

„Regionales Saatgut bedeutet hierbei, dass die Samen in der Region, wo sie später ausgebracht werden, auch gesammelt und vermehrt wurden, das heißt je lokaler, desto besser“, ergänzt Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Deshalb ist Deutschland – das bei diesem Thema in der EU eine Vorreiterrolle einnimmt – in 22 verschiedene Saatgut-Regionen eingeteilt. Für das Rheinland passend sind entsprechend Pflanzen aus dem Westdeutschen Tiefland (UG 2) oder dem Rheinischen Bergland (UG 7). In Deutschland gibt es für regionale Herkünfte zwei an-erkannte Zertifikate: VWW-Regiosaaten vom Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (www.wildsaaten.de/vww-regiosaaten) und RegioZert vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (www.saaten-zeller.de/regiozert). 5 000 Tütchen mit entsprechenden zertifizierten Samen wurden von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft im Rahmen der Aufklärungskampagne bereits verteilt.

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