Gefahr durch Equines Herpesvirus und Wolf - RLV-Fachausschuss Pferdehaltung tagte online

Foto: Katrin John

Am vergangenen Freitag begrüßte Peter Lautz, Vorsitzender des Fachausschusses Pferdehaltung, die Teilnehmer zur ersten Online-Sitzung des Ausschusses. Knapp 20 Pferdehalter verfolgten die Veranstaltung vor den heimischen Bildschirmen.

Schwerpunkt Herpes

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem Thema Pferdegesundheit beziehungsweise Equines Herpesvirus (EHV). Darüber informierte Dr. Enrica Zumnorde-Mertens aus der Abteilung Veterinärmedizin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in einem Vortrag. Sie berichtete zunächst über die aktuelle Situation: „Wie die meisten wahrscheinlich bereits mitbekommen haben, kam es vor wenigen Wochen zu einem massiven Herpesausbruch durch EHV-1 auf einem Turnier in Valencia. Dort trat die gefürchtete neurologische Verlaufsform des Virus auf, welche zu starken Störungen des Bewegungsapparats bis hin zum Festliegen führen kann.“ Die Tierärztin erläuterte, welche verschiedenen Herpesviren beim Pferd vorkommen können und welche Symptome diese auslösen. „Bis zu 80 % der Pferde tragen das Virus latent in sich, zeigen aber nicht zwingend Krankheitssymptome. Zu den möglichen Symptomen zählen Atemwegserkrankungen, Entzündungen am Auge, Aborte oder lebensschwache Fohlen sowie neurologische Störungen“, erklärte sie. Der Krankheitsverlauf, die Übertragung, Diagnose, Therapie und Prophylaxe wurden ebenfalls thematisiert. „Eine Impfung kann die Infektion und den Ausbruch von Krankheitsanzeichen nicht sicher verhindern, aber geimpfte Pferde scheiden weniger Virus aus und das Übertragungsrisiko ist geringer. Die Herpes-Impfung ist damit ein wichtiger Teil der betriebshygienischen Maßnahmen“, sagte Dr. Zumnorde-Mertens. Es wird empfohlen, den gesamten Bestand zu impfen. Ein Fachausschussmitglied, das vor Jahren mit einem schweren Herpesausbruch im Betrieb zu kämpfen hatte, bestätigte aus eigener leidvoller Erfahrung: „Ich fühle mich sicherer mit einem geimpften Bestand und kann jedem Berufskollegen nur raten, eine Herpes-Impfpflicht für alle Einstaller einzuführen. So ein Krankheitsausbruch ist eine existenziell bedrohliche Situation für einen Betrieb“, sagte der Landwirt aus dem Rechtsrheinischen. Hinsichtlich der notwendigen Quarantänedauer für Pferde, die neu auf den Hof kommen, erklärte Dr. Zumnorde-Mertens: „Die Pferde sollten mindestens zwei Wochen separiert und die Box im Anschluss gereinigt und desinfiziert werden.“

Problematik Wolf

Vor Jahresfrist wurde im Wolfsgebiet Schermbeck erstmals ein Pony von einem Wolf gerissen und kurz darauf folgte bereits der zweite Ponyriss. „Daher prüft das Ministerium momentan, ob es auch eine Förderung für den Herdenschutz von Ponys oder Pferden geben soll“, erläuterte Dr. Franz Weyermann vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband. Doch die Errichtung wolfsabweisender Zäune mit zusätzlichen Litzen will gut überlegt sein im Hinblick auf eine artgerechte Haltung der Tiere. „Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden ist in der Pferdehaltung bisher wenig erprobt“, gab der RLV-Referent zu bedenken. Ohnehin sei ein ständiges Aufrüsten der Schutzmaßnahmen keine wirkliche Lösung im Falle von Problemwölfen. „Zudem bleibt die Gefahr von Panikfluchten, auch wenn der Wolf sich außerhalb der Weide aufhält“, sagte Dr. Weyermann.

Reitböden entsorgen

Peter Lautz hatte noch einen kurzen Hinweis zum Thema Reitböden an die Pferdehalter: „Die Böden enthalten mittlerweile oft Kunststoffzusätze, daher kann die Entsorgung sehr teuer werden.“ Das LANUV arbeitet momentan an einem Merkblatt zum Thema „Einsatz und Entsorgung kunststoffhaltiger Reitbeläge“, welches allerdings noch nicht fertiggestellt wurde. „Informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrem Bodenlieferanten, um nicht im Nachhinein mehr für die Entsorgung, als für die Anschaffung zu zahlen“, appellierte Lautz. kj