Gemeinsam Erntedank feiern

Katrin John

Am Sonntag ist es wieder so weit: Der Oktober beginnt und es wird Erntedank gefeiert. Das Fest erinnert daran, unsere Nahrungsmittel wertzuschätzen.
Dazu ist es wichtig, zu wissen, was alles hinter der Produktion steckt.

An diesem Wochenende ziehen vielerorts Erntedankzüge durch die Straßen, es werden Erntekronen gebunden, Erntedankgottesdienste und Erntefeste gefeiert. Und das ist gut so. Denn diese Tradition ist aus mehreren Gründen wichtig. Sie ruft den Menschen wieder in Erinnerung, dass die hohe Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, die wir in Deutschland genießen, keine Selbstverständlichkeit ist. Das haben die zeitweise leeren Regale während der Coronapandemie und die gestiegenen Kosten infolge des Ukrainekriegs gezeigt. Allerdings vergessen das viele Verbraucher auch schnell wieder, während Landwirtinnen und Landwirte täglich ihr Bestes geben, um hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Sie können dabei nur bedingt auf äußere Einflüsse, wie das Wetter oder die Politik, reagieren. Wenn es, wie in diesem Jahr, wochenlang nur regnet, ist es nun mal nicht möglich, mit dem Drescher aufs Feld zu fahren, um den Weizen zu ernten. Und wenn es aufgrund der Düngeverordnung nicht erlaubt ist, ausreichend zu düngen, können die benötigten Qualitäten unter Umständen nicht erreicht werden.

Das Risiko für diese Unwägbarkeiten trägt meistens der Landwirt. Anders ist das im Konzept der solidarischen Landwirtschaft, da alle Mitglieder für die entstehenden Produktionskosten aufkommen und das Risiko einer schlechten Ernte mittragen. Die Landwirtin oder der Landwirt erhält einen festen Arbeitslohn, unabhängig davon, wie die Ernte am Ende ausfällt. Die Verbraucher nehmen die Produkte garantiert ab, sodass die Landwirtin oder der Landwirt keinesfalls da­­rauf sitzen bleibt. Fällt die Ernte in einem Jahr besonders gut aus, gibt es aber auch keinen höheren Gewinn, sondern vollere Körbe für die Mitglieder.

Ein tolles Konzept, von dem im Idealfall alle etwas haben: Die Landwirtin oder der Landwirt hat Planungssicherheit und ein festes Einkommen, die Mitglieder wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und werden in die Produktion mit einbezogen. Allerdings wird die solidarische Landwirtschaft auch in Zukunft eine Nische bleiben, da viele Verbraucher lieber im Supermarkt einkaufen, wo jederzeit alles verfügbar ist und die Auswahl über saisonale und heimische Lebensmittel hi­­nausgeht.

Allerdings gibt es eine Sache, die man im Supermarkt nicht bekommt: Gemeinschaft. Die hat sowohl in der solidarischen als auch herkömmlichen Landwirtschaft einen hohen Stellenwert. Egal ob Mitglieder einer solidarischen Landwirtschaft oder Erntehelfer, Azubis, landwirtschaftliche Mitarbeiter und die Betriebsleiter selbst: Alle ziehen insbesondere in der Erntezeit, aber auch während des gesamten Jahres an einem Strang, um für alle eine möglichst gute Ernte zu erwirtschaften. Ebendiese Gemeinschaft macht das Erntedankfest aus. Denn für die Organisation eines Erntezugs oder -fests sind  ebenfalls viele helfende Hände und Ehrenamtliche notwendig, damit am Ende alle gemeinsam feiern und sich über die eingebrachte Ernte freuen können.

Diese Zusammengehörigkeit symbolisiert auch der Kranz der Erntekrone. Die vier Bögen der Krone stehen für Freude, Sorge, Dankbarkeit und Hoffnung. Mit einer Mischung aus diesen Emotionen blicken die Landwirtinnen und Landwirte auf das vergangene und das bevorstehende Jahr. Diese Gefühle können Mitglieder einer solidarischen Landwirtschaft und alle Hobbygärtner bestimmt nachvollziehen, da auch sie die Erfahrung gemacht haben, wie gespannt man Wetterberichte verfolgt, wenn die Witterung mehr als nur die persönliche Freizeitplanung betrifft. Es wäre schön, wenn die breite Masse der Verbraucher ebenfalls nachempfinden könnte, unter welchen herausfordernden Bedingungen Landwirtinnen und Landwirte Lebensmittel für uns alle produzieren. Dann wären auch Wertschätzung und Zahlungsbereitschaft höher und es würde weniger Nahrung im Müll landen. Außerdem wird jeder, der schon mal selbst etwas im Garten angebaut hat, gemerkt haben, wie schnell Krankheiten oder Schädlinge zu Problemen führen können. Dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft also dazu beiträgt, die Ernte zu sichern, um die Menschen mit Nahrung zu versorgen, kann dann besser nachvollzogen werden.