Es gibt laute Verfechter des Veganismus. Dennoch nimmt der Fleischverzehr der Deutschen wieder zu. Und damit das so bleibt, sind auch Politik und Landwirtschaft gefordert.
Die Ernährungsexperten sind sich einig: Die künftige Ernährung soll mehr in Richtung pflanzlicher Produkte gehen. Bunt und gesund essen und dabei die Umwelt schonen, sind beispielsweise die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wer sich überwiegend von Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und pflanzlichen Ölen ernähre, schütze nicht nur seine Gesundheit, sondern schone dabei die Ressourcen der Erde. Und ebenfalls klar sind die Aussagen der DGE in Richtung Fleisch und Wurst. Weniger ist mehr, sagt die Gesellschaft und empfiehlt, nicht mehr als 300 g Fleisch und Wurst pro Woche zu essen.
Aber die Statistik spricht eine andere Sprache. Die Deutschen haben offensichtlich wieder mehr Appetit auf Fleisch (siehe Grafik auf S. 5). Während ab 2019 der Fleischverzehr kontinuierlich zurückging, stieg er im vergangenen Jahr erstmals wieder an. Laut vorläufigen Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hat jeder Bundesbürger im Jahr 2024 rein rechnerisch 53,2 kg Fleisch verzehrt, 52,9 kg waren es im Jahr zuvor. Einen Anstieg gab es insbesondere bei Geflügelfleisch, während der Verzehr von Schweinefleisch leicht zurückging und Rindfleisch nahezu stagnierte.
Ausschlaggebend für den höheren Fleischverzehr gegenüber 2023 war laut BZL der Verbraucherpreisanstieg für Fleisch und Fleischwaren, der sich mit 1,3 % in Grenzen hielt. Geflügelfleisch wurde dabei im Schnitt sogar preiswerter angeboten als im Referenzzeitraum. Zu dem relativ niedrigen Preisaufschlag trug auch die seit Langem wieder verzeichnete Zunahme der heimischen Nettofleischproduktion bei. Diese erhöhte sich um 1,4 % auf annähernd 7,31 Mio. t.
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Verbraucher also bereit, Fleisch zu verzehren, und möchten hierauf – trotz oder wegen der Preisentwicklung – nicht verzichten. Aber sie stellen nach wie vor auch hohe Anforderungen an das Tierwohl. Die Landwirte sind durchaus bereit, dies umzusetzen und den Tieren unter anderem mehr Platz und Freilauf zu ermöglichen. Das wird immer wieder unterstrichen. Mehr Tierwohl gibt es allerdings nicht zum Nulltarif, mehr Tierwohl ist teuer und muss finanziert werden. Das muss dem Verbraucher und der Politik immer wieder vor Augen geführt werden, damit nicht nur Preis und persönlicher Geschmack bei der Kaufentscheidung einbezogen werden.
In Sachen mehr Tierwohl ist insbesondere die neue Bundesregierung gefordert. Die bisherige Ampel-Regierung hatte zwar einiges versprochen, aber viel zu wenig Geld für den Umbau der Tierhaltung in die Hand genommen. Das entsprechende Bundesprogramm, das im März vergangenen Jahres endlich gestartet wurde, umfasste immerhin 1 Mrd. €, allerdings verteilt auf vier Jahre. Da blieb zu wenig für ein echtes Vorwärtskommen. Die neue Bundesregierung will es offensichtlich anders machen, die Koalitionsverhandlungen deuten jedenfalls darauf hin. Für den Umbau der Nutztierhaltung sind demnach in den kommenden vier Jahren jeweils 1,5 Mrd. € vorgesehen. Ob die neue Bundesregierung diese Summe tatsächlich stemmen kann, bleibt abzuwarten. Aber für die Tierhalter hört sich diese Aussicht gut an. Sie verspricht ihnen mehr Planungssicherheit, um in neue Ställe mit mehr Tierwohl zu investieren.
Jetzt schon aktiv werden können die Tierhalter in Richtung Absatzförderung für ihr Produkt. Sie können dazu beitragen, dem Verbraucher Fleisch weiterhin schmackhafter zu machen und so den Fleischverbrauch auch in diesem Jahr anzukurbeln. Dazu hat der Berufsstand die Initiative Agrill gestartet. Agrill steht für April und Grillen. Vorgesehen sind von April bis Mitte Mai Grillaktionen unter anderem auf Höfen. Einladen zu diesen Events kann man kleinere Gruppen, zum Beispiel die Nachbarn, die Feuerwehr oder den Kindergarten. Und auf den Grill soll dabei alles kommen, was schmeckt: Gemüse, Käse, aber natürlich auch Fleisch und Wurst. Bei der Vielfalt auf dem Grillrost ist sicher für jeden etwas dabei. Bei Agrill geht es darum, zusammenzukommen und vor allen Dingen gemeinsam zu genießen. Schon einige Betriebe im Rheinland haben sich gemeldet und wollen bei Agrill mitmachen. Je mehr dabei sind, desto besser. Gerade Grillaktionen sind ideal für die Öffentlichkeitsarbeit und um mit Nichtlandwirten ins Gespräch zu kommen.