Gemeinsam wachsen

Foto: Katrin John

Die erste Hälfte des diesjährigen TOP Kurses der Andreas Hermes Akademie ist bereits vorbei. Wir haben mit den drei Teilnehmerinnen aus dem Rheinland über ihr Zwischenfazit gesprochen.

Alle drei sind sich einig: Der Besuch der Internationalen Grünen Woche in Berlin und die zahlreichen Gespräche, die sie dort führen konnten, waren das bisherige Highlight des 48. TOP Kurses. Anfang Januar hat der Kurs begonnen und seitdem haben Barbara Kockerols, Christina Nacke und Viktoria Ditges viel gelernt, auch über ihre eigene Persönlichkeit. „Wir haben uns selbst noch mal besser kennengelernt. Ich finde es superinteressant, retrospektiv zu betrachten, wie man sich verhält, und zu schauen, ob Selbst- und Fremdbild übereinstimmen“, erläutert Viktoria Ditges. Das Persönlichkeitstraining zielt nicht nur da­rauf ab, eigene Schwächen und Stärken zu erkennen. „Es geht auch darum, ein Verständnis für die Persönlichkeit von Gesprächspartnern zu entwickeln“, erklärt Christina Nacke.

Fähigkeiten anwenden

Diese erlernte Fähigkeit konnten die TOP Kursler Ende Januar in Einzel- und Gruppengesprächen auf der Grünen Woche anwenden. Jedem Kursteilnehmer wurde ermöglicht, mit dem Bundestagsmitglied aus seinem jeweiligen Landkreis zu sprechen. Im Fall der drei Rheinländerinnen stammten die Politiker also aus den Kreisen Aachen, Düren und Neuss. Die anderen Gespräche haben in der Gruppe stattgefunden und die Diskussion wurde von einem der Kursteilnehmer moderiert. Zu den etwa 30 Referenten, mit denen sich die Kursteilnehmer ausgetauscht haben, gehörten neben Politikern verschiedener Parteien unter anderem auch Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, und Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. Außerdem gab es auch Gespräche mit Vertretern von Bioland und dem WWF. „So haben wir viele verschiedene Perspektiven kennengelernt, sind aus unserer landwirtschaftlichen Blase rausgekommen und konnten uns eine eigene Meinung bilden. Wir haben auch gelernt, unsere eigene Botschaft zu senden und zielgerichtete Fragen zu stellen. Dabei ist es wichtig, sich auf das Gespräch einzulassen und den Gesprächspartner dort abzuholen, wo er steht“, berichtet Barbara Kockerols über die Zeit in Berlin. „Ohne den TOP Kurs hätten wir nie die Möglichkeit bekommen, diese zahlreichen Gespräche zu führen“, resümiert Viktoria Ditges.

Zahlreiche Themen in Berlin

Inhaltlich ging es dabei um zahlreiche Themen rund um Landwirtschaft und Agrarpolitik: neue Züchtungsmethoden, Frauen in der Landwirtschaft, Umbau der Tierhaltung und Tierhaltungskennzeichnung, Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit. „Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) war ein Thema, das immer wieder aufkam, weil einige unserer Gesprächspartner in die ZKL eingebunden waren. Dementsprechend war es spannend, einen Blick hinter die Kulissen des Prozesses zu bekommen“, erzählt Christina Nacke.

Während der Gespräche in Berlin hat sich gezeigt, dass die Kursteilnehmer als Gruppe gut zusammengefunden haben und sich gegenseitig ergänzen. „Die Weiterentwicklung unserer Fähigkeit, Gespräche zu führen, kann man jetzt schon deutlich wahrnehmen. Wir waren vor Kurzem in Frankfurt zu Besuch bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und der Deutschen Rentenbank. Das sind bereits ganz andere Austausche gewesen als noch zu Beginn des Kurses“, stellt Christina Nacke fest. Im Nachgang werden die Gespräche in der Gruppe reflektiert und die Teilnehmer geben sich unterei­nan­der Feedback. Es wird analysiert, welche Fragen wirkungsvoll waren und wie die Gruppe gewirkt hat. „Die Reflexion ist enorm wertvoll und es ist hilfreich, eine kon-struktive und ehrliche Rückmeldung zu seinem Auftreten und Verhalten zu bekommen“, meint Barbara Kockerols.

24 Freunde

Die drei Rheinländerinnen fühlen sich durch den wohlwollenden Umgang in der Gruppe gut aufgehoben und nehmen den TOP Kurs als geschützten Ort wahr, um sich entwickeln zu können. „Alle gehen unvoreingenommen mitei­nan­der um. Das ist eine tolle Atmosphäre. Ich finde, man bekommt durch den TOP Kurs 24 Freunde geschenkt“, beschreibt Christina Nacke das Mitei­nan­der. Natürlich treffen auch unterschiedliche Meinungen aufei­nan­der und jeder bringt seine eigene Perspektive mit. „Gerade das finde ich superinteressant, weil es zum Nachdenken anregt. Jeder hat das Grundinteresse Landwirtschaft, aber alle kommen aus unterschiedlichen Bereichen, egal ob Milchviehhaltung, Schweinehaltung oder Ackerbau, ob konventionell oder ökologisch“, berichtet Viktoria Ditges.

Nicht alle Kursteilnehmer sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen oder haben ein Agrarstudium absolviert. Unter anderem nehmen auch eine Ernährungswissenschaftlerin und ein Informatiker teil. „Das macht unsere Gruppe auch aus. Meiner Wahrnehmung nach ging es am Anfang nicht darum, betriebliche Details abzufragen, sondern um Perspektiven, Werte und die persönliche Geschichte jedes Einzelnen. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder entwickeln kann“, erzählt Barbara Kockerols.

Ausblick auf zweite Hälfte

Bis zum 8. März geht der 48. TOP Kurs noch. „Die erste Hälfte des Kurses ist wirklich verflogen: Anfangs kamen mir die neun Wochen lange vor, gleichzeitig finde ich es erschreckend, wie schnell die Zeit vergangen ist“, schildert Viktoria Ditges. Auf die verbleibende Zeit freuen sich die drei jungen Frauen sehr. In den nächsten Wochen werden sie verstärkt in fachliche Themen einsteigen. „Es geht darum, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wie wir uns die Zukunft der Landwirtschaft in

10 oder 20 Jahren vorstellen“, erklärt Viktoria Ditges. „Davon hat jeder eine andere Vorstellung und es wird bestimmt auch noch mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Aber ich freue mich auf die gemeinsame Entwicklung einer Zukunftsvision und die damit verbundenen Ausei­nan­dersetzungen. Ich glaube, das wird anstrengend, aber lehrreich“, ergänzt Christina Nacke. Barbara Kockerols ist außerdem gespannt da­rauf, über den deutschen Tellerrand hinwegzublicken: „Bisher haben wir uns viel mit Agrarpolitik auf Bundesebene beschäftigt. Jetzt geht es mit den Stationen in Brüssel, Paris und Rom auf die europäische und internationale Ebene.“

Karneval darf nicht fehlen

So sehr die drei sich auch auf den restlichen Teil des Kurses freuen, gibt es doch einen kleinen Wermutstropfen: Da der Kurs durchgängig über die gesamten neun Wochen hinweg stattfindet, bleibt kaum Zeit, um Karneval zu feiern. Einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings: Während des Kurses werden Länderabende veranstaltet, die die Teilnehmer der jeweiligen Bundesländer organisieren. Der nordrhein-westfälische Abend findet passenderweise an Weiberfastnacht statt. „Wir als Rheinländerinnen haben uns natürlich schon intensiv Gedanken gemacht, wie wir den Karneval da mit einbringen“, berichtet Viktoria Ditges. „Also werden wir eine kleine Karnevalssitzung veranstalten, um den anderen die rheinische Kultur näherzubringen. Und am Rosenmontag haben wir nachmittags frei und werden dann zusammen losziehen“, verrät Barbara Kockerols. „Damit es kein kaltes Kennenlernen der Karnevalskultur gibt, haben wir natürlich auch dafür gesorgt, dass Kölsch im Kühlschrank liegt“, ergänzt Christina Nacke.

kj