Laut RLV wurden 2024 durchschnittlich nur 70 dt/ha gedroschen
Enttäuscht über die mittlerweile weitgehend abgeschlossene Wintergerstenernte im Rheinland zeigt sich der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV). Wie Präsident Bernhard Conzen am Mittwoch vergangener Woche mitteilte, blieben die Erträge in der Region mehr als deutlich hinter denen des vergangenen Jahres zurück. Während 2023 noch rund 90 dt/ha eingebracht worden seien, liege der aktuelle Ertrag nach ersten vorsichtigen Schätzungen mit durchschnittlich 70 dt/ha mehr als 20 % darunter. Für die rheinischen Landwirte kommt laut Conzen erschwerend hinzu, dass die Qualität der Wintergerste in vielen Fällen sehr schwach ist. Ständige Regenfälle und die fehlende Sonnenstrahlung hätten sich nachteilig auf die Kornausbildung ausgewirkt und für ein schwaches Hektolitergewicht von unter 60 kg/hl gesorgt. Das erschwere die Vermarktung der Ernte zusätzlich.
„Der Grundsatz, dass eine schlechte Ernte durch bessere Preise zumindest teilweise kompensiert werden kann, ist derzeit außer Kraft gesetzt“, konstatierte der RLV-Präsident. Auch die rheinischen Landwirte stünden beim Getreide in einem internationalen Wettbewerb und nach wie vor belasteten billige Exporte aus der Ukraine sowie Lagerbestände den Markt bei Getreide insgesamt.
Ein Grund zur Sorge seien außerdem die rückläufigen Nutztierzahlen, so Conzen. Schließlich finde die Wintergerste als wichtiger Bestandteil von Fruchtfolgen über den Tiermagen den Weg in die Lebensmittel. Für den Verbandspräsidenten ist es ernüchternd, dass in politischen Reden immer wieder über die Bedeutung von Fruchtfolgen diskutiert wird, man jedoch andererseits die Verwertung der Erzeugung vom Acker ausblendet und die Tierhalter – insbesondere Schweinehalter – politisch forciert reihenweise das Handtuch werfen.
„Marktverwerfung und Extremwetter-ereignisse stellen somit eine zunehmende Herausforderung dar“, fasste Conzen die aktuelle Lage zusammen. Gepaart mit der aktuellen Berliner Agrarpolitik werde daraus ein spannungsgeladenes Gemenge für die heimische Landwirtschaft und den ländlichen Raum.
Der RLV-Präsident forderte, nun endlich die politischen Zusagen aus dem Winter zu erfüllen. Das kürzlich beschlossene Agrarpaket sei bei Weitem nicht ausreichend. Die aktuellen Ernteergebnisse machten mehr als deutlich, dass die Landwirtschaft in der Bewältigung klimabedingter Ertragsschwankungen beispielsweise dringend eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage brauche.